[Es dünket dir, ich wäre nichts; ich aber]

By Georg Friedrich Daumer

Written 1823-01-01 - 1823-01-01

Es dünket dir, ich wäre nichts; ich aber

Ein Mann im Staat,

Ein Mann von Rang, ich bin im Reich der Liebe

Geheimer Rath.

Dann bin ich auch im Kreise der Betrunknen

Ein Veteran,

Der hier so manche Jahre schon die Wege

Des Herrn betrat.

Es ist ein Ausbund adeliger Geister

Allhier vereint;

Ein jeder ist Prophete, Sofi, Seher

Und Potentat.

Sie sitzen und studiren freudestrahlend

Im Glase Dschem's,

Und besser ist, als das der Philosophen,

Ihr Resultat.

Doch fehlet einer und mit ihm die reinste

Beseligung.

Wo bleibt Hafis? Wo lieber, als bei'm Becher

Weilt er so spat?

Verschmähet er des Weines edle Labe

Weil er entzückt

Von einer Huri-Lippe just den Nektar

Der Huld empfaht?

Doch nein, er kommt; er eilt mit raschem Fuße

Der Schenke zu;

Ein Jubelruf begrüßt den alten Meister,

So wie er naht.

Ja, wenn du sehen willst, was ich bedeute,

Komm in mein Reich,

Mein jauchzendes! Du weigerst meiner Größe

Kein Attestat. –

Mir auf die Kutte deutest du, die alte,

Die schäbige?

Du Ignorant! So prangen ächte Kaiser

Im Festornat.