[Es gab um einen Apfel einst]

By Georg Friedrich Daumer

Written 1823-01-01 - 1823-01-01

Es gab um einen Apfel einst

Mein Vater Edens Wonnestand;

Es giebt ihn um die Äpfelchen

Im Busen hier mein Minnebrand. –

Entschwinden in die leere Luft

Laß eine weise Lehre dir;

Dein Liebchen, nicht entschlüpfe dir's

Aus deiner Arme Fesselband. –

Wer nie der Schönheit Reiz genießt

Und Seele sich und Geist erfrischt,

Der gleichet einem Dorngebüsch

In schauerlicher Wüste Sand. –

Es irren in der tiefsten Nacht

Die zwei und siebzig Sekten all,

Die Sekte nur des Sektes ist

Befreit von allem Unverstand. –

Gefeiert in der Schenke Reich

Ist hoch Hafis, wiewohl du sagst,

Der Glorie des Ruhms beraubt

Sei ein Prophet im Vaterland. –

Ein Götzentempel ist mein Herz,

Von Silber ist der Götze drin;

Umschlossen einen schöneren

Hat nimmer eine Tempelwand. –

Wir alle sind verliebter Art,

Und brennst du nicht für Andere,

Hat sich der Liebe Lust und Trieb

In's eigne hohle Selbst gewandt. –

Jüngst reichte mir ein Heiliger

Die gelbe Hand zum Kusse hin;

Ich bückte meinen Mund hinab

Und kosete den Becherrand.