[Es will die ungerathne zeit]
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Es will die ungerathne zeit
Daß ich zwey lippen soll verlassen
Da tugend lieb und freundlichkeit
Als treue schwestern sich umfassen
Wo schöne rosen stehn
Die auch im winter nicht vergehn.
Ich kan fast nicht von deiner hand
Den schwachen arm zurücke ziehen
Ich fühle wie ein strenges band
Sich mich zu fesseln will bemühen
Die ohren klingen mir:
Getreuer Damon bleibe hier.
Ich kenne meine fehler wohl
Ich muß die schuldigkeit vermeiden
Ich weiß daß ich dir folgen soll
Doch mein verhängniß heist mich scheiden
Mit einer solchen schuld
Hat auch die ungedult gedult.
Mein geist ist dir genug bekandt
Du weist ja meine treue sinnen
Hätt ich dich auff das grüne land
Wie ich gewünscht begleiten können
So sagt ich gar gewiß:
Es ist dein feld mein paradieß.
Doch ist gleich hand und fuß nicht frey
So weiß mein geist kein band zu nennen
Er reist der zeiten garn entzwey
Und wünscht dir freudig nachzurennen;
Mein geist wird dir allein
Viel näher als der schatten seyn.
Der gipffel so sich itzt bewegt
Das rauschen so dein ohr verspüret
Wird durch der seuffzer trieb erregt
Die meine matte zung#e führet
Ich weiß daß iedes blat
Mit meiner noth erbarmniß hat.
Doch schwebt erbarmniß auch um dich
So brich nicht gäntzlich mein gelücke
Und denck in meiner noth auff mich;
Gib mir ein halbes wort zurücke
Ein wort so mir beliebt
Und wieder neue kräffte giebt.