Ewige Gegenwart

By Hedwig Lachmann

Written 1891-01-01 - 1891-01-01

Um eine tausendjährige Fabel spürt

Noch Gram mein Herz und geht hoch

Wie Springkraut, das man berührt.

Um eine längst verschollene Untat trübt

Sich noch mein Sinn und ergrimmt

Ob des Frevlers, der sie verübt.

Um die verjährte Schmach von Urahnen sprüht

Noch Racheglut und glimmt

Im alt vererbten Geblüt.

Um die Erniedrigung von Geknechteten pocht

Mein Pulsschlag ungestüm,

Als wäre ich selbst unterjocht.