F rühling der L iebe.

By Christian Friedrich Hunold

Mein ausgeruhter Geist und die befreyte Sinnen

Die durch das Schlaffen sich ins Laberynth versteckt

Begunten noch die Lust an Träumen zu gewinnen

Als auch Aurora schon die Glieder ausgestreckt.

Ihr Gold-entflammter Leib schien alle Ruh zu hassen

Weil diese Süssigkeit ihr Titons Alter kränckt.

Sie schiene meine Brust so brünstig zu umfassen

Als ob ihr Lieb und Glück den Cephalus geschenckt.

Doch weil Rubinen nicht in Bley wie Golde prangen

So ward ihr Purpur Strahl beschämt von mir geküsst.

Ich dachte Phoebus wird dich heute nicht umfangen

Weil der Auroren liebt sein Nebenbuhler ist.

Doch Eifersucht muß offt zu List und Klugheit werden:

Drum hüllte seinen Zorn ein frohes Angesicht.

Er blitzt und rennete mit seinen Feuer Pferden

Und zog mich durch den Glantz zu einen andern Licht.

Sein Strahl war ein Magnet der mich ins Grüne zwunge

Allwo sein Diamant sich zu Schmaragden legt

Und wo der kühle West durch frische Rosen drunge

Ja wo nur die Natur die schönste Wohnung hegt

Hier legt' ich meinen Leib auff Samt und Seide nieder

Jedoch die Seele lag auff einen Marter Stein:

Die Seüfftzer waren erst die stummen Klage-Lieder

Doch endlich flösste sich der Schmertz den Worten ein:

Soll mich die braune Nacht mehr als der Tag beglücken

Und lacht mich ihre Gunst nur in Gedancken an?

Ach das mein Auge doch die Sonne möcht erblicken

Die meine Seele nur in Traume sehen kan.

Was aber nützt ein Schatz der noch vergraben lieget?

Und was die schönste Perl die noch die Maschel hält?

Nichts als wenn unser Wunsch in tauber Lufft zerflieget

Das sich der Sehnsucht auch die Marter zugesellt.

Man darff den Purpur wohl mit Schnecken Blut begiessen.

Die Rosen macht kein Kuß doch wohl der Abend bleich.

Der Brüste Schnee kan nicht bey Liebes-Gluht zerfliessen

Der Jahre kalter Schnee ist hier der Flammen gleich.

Die Liljen bricht die Zeit die Amors Hände bauen.

Der Blumen-Stock verdirbt der nie begossen ist.

Doch soll ihr Paradieß sich lieber öde schauen

Als daß es meine Lust und seine Wohlfahrt küst.

So wil sie Fleisch und Blut in eigne Fässel schlagen

Und hasset die Natur die sie am meisten liebt.

Ihr Auge redet viel und wehret doch zu sagen

Wie ihrer Zauber-Sprach ein Hertze Beyfall giebt.

Sie pflantzet selbst den Trieb und hat sich ihm entrissen

Sie zwinget mich zur Gluth und bleibet Schnee und Eiß.

Muß Heclens Schooß von Brand von oben Kälte wissen

So bleibt ihr Hertze kalt und das Gesichte heiß.

Die Lippen wolten noch von mehren Klagen brechen

Da sie was Rauschendes durch Graß und Bäume schloß.

Die Augen konten kaum die Ursach zu mir sprechen

Als das erhitzte Blut mir in die Adern floß.

Ich sahe durch den Raum der auffgewehten Bäume

Der heissen Seufftzer-Ziel die Dulcimene gehn.

Die Sonne die ich erst in Schatten meiner Träume

Und nun bey hellen Strahl der Sinnen konte sehn.

Die Sonne welche noch von einen Stern begleitet

Weil ihr Amalia zur Schlancken Seiten war

Die Freundin die sie mehr als Gold und Perlen leidet

Denn was sie selber weiß ist dieser Sonnen klar.

Die Liebe führte nun die Engel gleiche schönen

Dadurch ein Rosen-Thal zum Paradiese wird

Um durch Vertraulichkeit sie einsam zu bekrönen.

Allein sie hatten sich so wie ich mich verirrt.

Ich deckte mich vor sie mit dick belaubten Sträuchen

Und lauschte wie Vulcan wenn Mars die Venus küst.

Ach sprach die Eyffersucht: Verhaste Freundschaffts-Zeichen!

Da Dulcimene dir nicht gleich gewogen ist,

Indem so nahten sich die gleich gesinnten Hertzen

Und nahmen ihr Gespräch mehr als die Schritt' in acht.

Der Minen freyen Trieb und das vertraute Schertzen

Hat mir der kühle Mund des Zephirs hinterbracht.

Ich hörte meine Treu als ungereimt verlachen

Und Dulcimene sprach in Eise sey kein Brand:

Sie wäre noch zu jung zu reiffen liebes Sachen

Ja lieben sey ihr wohl doch nicht die Krafft bekandt.

Wie? sprach Amalia zur schönen Dulimenen

Was wilst du deinen Leib der Liebe mehr entziehn?

Pflegt ihn nicht die Natur mit Myrthen zu bekrönnen?

Und muß dein liebes Baum nicht in den Frühling blühn?

I chhab' ihn neulich zwar in kahlen Mertz gesehen

Da erst der feuchte Safft zu Liebes Stöckel floß.

Doch deiner Jahre Lentz muß nun belaubet stehen

Ich weiß der bundte May begrünet deine Schooß.

Aurora ist noch nie so gläntzend aufgegangen

Als Dulcimenens Blut auf reine Liljen kan.

Die freye Redens-Art beschämte Brust und Wangen

Die Röthe zeigte hier der Keuschheit Bildniß an.

Doch die Vertraulichkeit und meinen Brand zu mehren

So striche dieses Paar das blöde Wesen hin.

Ich sprach Amalia kan durch mich selber lehren

Daß ich nach kurtzer Zeit sehr wohl Versehen bin.

Drum laß mich Schwesterchen nur deinen Garten sehen

Weil uns das Schatten Werck der Einsamkeit bedeckt.

Die Augen sollen stets auf scharffer Wache stehen

Daß uns kein fremder Blick nicht Furcht und Scham erweckt.

Diß Wort war als ein Wind der in die Flammen bliesse

Ich brandt' und war ein Luchs der ins Verborgne sieht.

Biß Dulcimenens Arm die süsse Wohnung wiese

Worein der Crypripor mit steiffen Bogen zieht.

Ach! rieff Amalia was schöne Wunderwercke?

Wie ist dein Freuden-Thal so herrlich ausgeziert!

Hier weisset die Natur wie durch geheime Stärcke

Ein Liljen gleicher Strick die Dienstbarkeit gebührt.

Wie soll die Liebe denn die Gräntzen nicht berühren

Da die bekrönte Schooß sie selbst zum Lust-Wald trägt?

Die Berenice muß der Haare Schmuck verliehren

Wo Venus krauses Haar sich in die Locken legt.

Welch' Auge kan so schön die Käyser Cron erblicken?

Setzt hier nicht die Granat dergleichen Zierath drauf?

Der Purpur Apffel weiß sich besser nicht zu schmücken

Und weil er rieff genug so springt er selber auff.

Will Flora Monatlich nun bundte Blumen bringen

Und siehet Moscau dich mit seinen Zobeln an

So laß den Hymen auch in dein Gezelte springen

Und steige durch das Bett auff deine Rosen Bahn.

Hier brache meine Gluth der vorgeglimten Kohlen

Aus Augen Hertz und Mund in volle Flammen loß.

Ich hatte durch den Busch mich heimlich weg gestohlen

Und eilte nun mit Macht zur auffgedeckten Schooß.

Kein schneller Blitz fährt nicht so hefftig durch die Eichen

Als Dulcimenens Blut durch Brust und Wangen fuhr.

Die andre wolte gar vor Scham und Grimm erbleichen

Und hüllte mir zum Trotz die offne Liebes-Spuhr.

Allein ich warffe mich vor sie zur Erden nieder

Hielt den bestürtzten Fuß von seinen fliehen ab.

Ich schwure bey der Pracht der anffgedeckte Glieder

Bey ihren Nelcken-Schoß und meiner Freyheit Grab

Daß Titan alle Schuld deswegen beyzumessen

Der mich durch seinen Strahl in diesen Busch gebracht.

Ich sprach welch Auge hat den Zügel nicht vergessen

Wenn uns der grösste Schatz der Schönheit angelacht.

Verdammter laß mich gehn (brach ihr der Zorn die rippen)

Dein Basilißken Blick ist meiner Ehr ein Gifft

Dein Unbedachtsahm Schiff zerscheitert an den Klippen.

Ach das nicht mich und dich der Untergang betrifft!

Ach daß du vor der Zeit _ _ hier band der Schmertz die Zunge

Die Thränen redeten mich desto schärffer an:

Ihr Saltz war als ein Blitz der durch die Seele drunge

Biß Furcht und Schrecken mich dem Tode hiessen nahn.

Ich weiß nicht welche Macht mir Geist und Leben nahme

Doch dieses weiß ich wohl daß ich von nichts gewust.

Und da ich wiederum recht zu mir selber kame

Lag ich Amalien an ihrer holden Brust.

Ihr Beyleid sahe mir auf die noch blasse Wangen

Und ruffte dieser Freund ist der Erbarmung wehrt.

Was denckst du Schwesterchen mit ihm wohl anzufangen

Gib Dulcimene gib was seine Treu begehrt.

Die Liebe hat ihn selbst zu deiner Gunst bestimmet

Denn den verschlossnen Ort schliesst sie ihm selber auff

Er kennt den Opffer Herd da Venus Weyrauch glimmet

Drum brenn' ihn nur zur Straff und wirff ihm selber drauf.

Hat ihn dort jener Busch vor unsrer Scham verborgen

So macht dein Lorber-Strauch ihn Zorn und Blitzen frey.

Aurora schencket ihm den angenehmsten Morgen

Drüm Zeige daß ihm auch die Sonne günstig sey.

Ich bahte sie zugleich durch tausend schmeichel Worte

Und die Vernunfft gab ihr die schöne Regul ein:

Was sperst du ihm wohl mehr die vorerblickte Pforte

Die Augen müssen ja des Leibes Führer seyn.

So wuste Zeit und Glück mich doppelt zu vergnügen

Die Marter konnte nun zum schönsten Grabe gehen.

So muste mich mit Recht die Liebe lassen siegen

Weil ich die Palmen schon auff ihren Schooß gesehn.