Fabel

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Ins Land der Wissenschafft gieng Damon nechst spatzieren

Und traff drey Menschen an:

Er dachte wenn ich sie zu Freunden haben kan

So werden sie mich wohl zu rechte führen.

Die Mine war an ihnen gut.

Der erste sprach zu ihm: Wir werden Mühe haben

Durch dieses Land zu gehn: drum unser junges Blut

Soll wenn es dir beliebt sich unter wegens laben.

Ich weiß ein Hauß da hat man guten Wein

Ich weiß ein Hauß da Schönen drinnen seyn

Ich weiß ein Hauß da spielet man in Karten:

Wenn wir daselbst gewesen sind

So wollen wir auch unsrer Sachen warten.

Ein Kluger wehlt die Lust und lauter Müh ein Kind:

Bey den Gelehrten gilt diß Kleeblat allzuviel;

Wein Weiber Karten-Spiel.

Der andre sprach zu ihm: was wilst du hier studiren

Und deine Zeit verliehren?

Ein besser Weg geht in des Martis Feld;

Ein Degen und ein Pferd verdienen eher Geld

Als ein gelehrtes Buch. Ich soll allhier zwar leben;

Doch weil ich mich will in den Krieg begeben

Was ist es nutz daß ein Soldat

Viel Wissenschafft gelernet hat?

Die er doch wieder wird vergessen.

Das Geld vergnügt verthan Collegia verfressen;

Denn die Musqnete her das ist mein Symbolum.

Hier sahe sich der Damon schrecklich um.

Was dacht er in sich selbst sind in des Phœbus Auen

Nur Menschen die so artig anzuschauen?

Er sprach darauf den dritten an

Der bath ihn durch diß Land und endlich durch Athen

Mit ihm zu gehn.

Dieweil es bald um diesen Tag gethan;

Vor Abends würden sie sonst an den Ort nicht kommen

Alwo der klügste Theil stets Herberge genommen

Und müsten sonst zur Schande Schmach und Pein

Im Narren Wirths-Hauß Gäste seyn.

Es würde sich das andere Vergnügen

Rach abgelegter Reise fügen.

Gelehrt- und Wehrter Freund du eilest nun dahin

Wo wir die Ehren Frucht auf Müh und Arbeit lesen.

Wodurch ich aber glücklich bin

Ist weil wir lange Zeit Gefehrten sind gewesen.