Fertigkeit zu lesen in dem Buche der Natur.
In ieder Wissenschaft und Kunst, die Menschen wissen,
Hat man ja Arbeit, Fleiß und Müh,
Sie zu erlernen, nehmen müssen;
Durch wiederholen fasst man sie.
Die Fähigkeit, die in der Seelen stecket,
Entwickelt sich allmählich, wird erwecket,
Und nimmt durch Ubung zu. Ist denn die Wissenschaft
Jm Buch der Creatur, den Schöpfer selbst zu finden,
Und Seine Weisheit, Lieb’ und Allmacht zu ergründen,
Nicht einst der Mühe wehrt, daß wir der Seelen Krafft
Offt auf so edlen Vorwurff lencken,
Und, wann wir hören, sehn und schmecken, Des gedencken,
Der uns für so viel Guts, und Seiner Wercke Pracht
So wunderbarlich sinnlich macht?
Je öffter man sich übt, die Creatur zu sehn,
Je fertiger wird man im lesen,
Je deutlicher wird man der Gottheit Wesen,
Des Welt-Buchs Inhalt, Kern und Zweck verstehn,
Und, immer brünstiger, Sein herrlichs Lob erhöhn.
Ach so gewehnet euch, geliebte Menschen, doch
Zu dieser süssen Müh, zu diesem leichten Joch!
Beschäfftigt euch, und lernt aufmercksam, GOTT zu Ehren,
Empfinden, schmecken, sehn und hören!