Firnelicht

By Conrad Ferdinand Meyer

Written 1861-01-01 - 1861-01-01

Wie pocht' das Herz mir in der Brust

Trotz meiner jungen Wanderlust,

Wann, heimgewendet, ich erschaut

Die Schneegebirge, süß umblaut,

Das große stille Leuchten!

Ich atmet eilig, wie auf Raub,

Der Märkte Dunst, der Städte Staub.

Ich sah den Kampf. Was sagest du,

Mein reines Firnelicht, dazu,

Du großes stilles Leuchten?

Nie prahlt ich mit der Heimat noch,

Und liebe sie von Herzen doch!

In meinem Wesen und Gedicht

Allüberall ist Firnelicht,

Das große stille Leuchten.

Was kann ich für die Heimat tun,

Bevor ich geh im Grabe ruhn?

Was geb ich, das dem Tod entflieht?

Vielleicht ein Wort, vielleicht ein Lied,

Ein kleines stilles Leuchten!