[Flavie schaut meine thränen]

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Flavie schaut meine thränen

Nur als wasser-perlen an

Und mein seuffzer-reiches sehnen

So ich doch nicht lassen kan

Zeigt mir daß betrügerey

Meiner treu belohnung sey.

Doch kan ich mich nicht erwehren

Zu verehren was mich haßt

Und mich schmertzlich zu verzehren

Unter einer schweren last;

Denn die liebe liebet pein

Und heist galle zucker seyn.

Mir gefallen noch die narben

Die mir hat das joch gedrückt

Und durch tausend falsche farben

Wird mein treuer sinn berückt.

Meiner fässel heller klang

Ist mein bester trost-gesang.

Ich muß itzt zurücke dienen

Und der sonnen edles licht

So mir vormahls hat geschienen

Kennt itzund mein auge nicht

Die mich ihren engel hieß

Stöst mich aus dem paradieß.

Flavie lacht meiner schmertzen

Meine qval ist ihre lust;

Und das joch in meinem hertzen

Ist ein kleinod ihrer brust.

Mein verderben ist ihr ziel

Und mein' angst ihr possen-spiel.

Flavie zu deinen füssen

Leg' ich meine freyheit hin

Und bin itzt in furcht beflissen

Dir zu opffern geist und sinn;

Doch die mir das hertze bricht

Kennt itzund mein opffer nicht.

Die mir vormahls hat geschworen

Der werd' ich itzt unbekandt

Und ich singe tauben ohren

Man verschleust mir hertz und hand

Was mein irrthum hat gethan

Ziert itzt ihre sieges-fahn.

Flavie ist das erbarmen

Nicht aus deiner brust verjagt?

Ach so reiche dem die armen

Den sonst keine schuld verklagt

Ausser daß er in der welt

Dich allzeit vor göttlich hält.