Fleh-schrifft an ihre unempfindlich- keit.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Arminde deine brust muß kaltes eyß nur hegen

Dein hertz muß härter noch als stahl und marmorstein

Ja selbst dein blut erstarrt und gantz erfrohren seyn

Weil dich mein jammer nicht zur wehmut kan bewegen,

Ach! geh doch in dich selbst betrachte deine gaben

Die himmel und natur auff deinen leib gelegt;

Es wird durch deine pracht ein steinern hertz bewegt

Und ich soll keine glut in meiner seelen haben?

Bedencke was du thust: dein blick reitzt mich zum lieben

Er hat mich ohnversehns in diesen brand gesetzt

Dein mund hergegen schilt was meine seel ergötzt

Und stürtzt mich jederzeit nur tiffer ins betrüben.

Du sprichst: ich soll dich nicht hinführo mehr berühren

Es soll kein liebes-wort aus meinem munde gehn

Wie lange soll ich dir so zu gebote stehn?

Wann wird mich deine gunst aus diesen banden führen?

Ich kan mich warlich nicht in deine weise finden

Die schönheit hat sich sonst mit gütigkeit vermählt

Doch wird in deiner brust nur tyranney verhählt

Du tadelst auch an mir die kleinsten liehes-sünden

Du möchtst zuletzt wohl gar die augen mir verblenden

Daß ich nicht ferner dörfft dein himmlisch wesen schaun

Was aber kanstu wohl auf diesen grundstein baun

Der selbst zerrissen wird von deinen zarten händen?

Arminde nicht zu scharff! Ich brenn in deinen flammen

Die Salamandren auf fast unerträglich seyn

Mein feuer rührt ja her von deinem sonnen schein

Wie kanstu mich dann nun und meine glut verdammen.

Verwirffstu meine pein und mein getreues lieben

So tadle erst zuvor dein helles augen-licht

Bestraffe deine macht die tausend hertzen bricht

Denn du hast selbst diß feur in meine brust getrieben,

Arminde hör doch auf mit meiner noth zu schertzen;

Gewiß dein laulicht seyn vertilgt nicht meine glut

Je kälter du dich stellst je heisser wird mein blut

Ach! laß dir meine qual doch endlich gehn zu hertzen.

Ich muß ja lang genug in furcht und hoffnung schweben

Soll ich ich nun ferner noch in liebes-banden stehn

Und ohne allen trost und labsal untergehn?

Soll nichts als bittres weh den matten geist umgeben?

Betrachte meine pein und meine centner-plagen

Gedencke wer du bist erwege meine glut

Schau meine flammen an und mein erhitztes blut

Und laß mich länger nicht mein eigen hertze nagen.

Dein rosen- mund kan sich auf ewig nicht verbinden

Sein glantz wird endlich doch mit schatten überstreut

Selbst Diamanten seyn von flecken nicht befreyt

Der schönste purpur läst auch seine pracht verschwinden.

Es muß dein helles aug verlassen seine strahlen

Die hier auff dieser welt mit glut und feur gespielt,

Weil auch die sonne selbst zum untergange zielt

Und uns nicht ewig wird mit fürniß übermahlen

Die höchste lilje küst den schooß der schwartzen erden

Selbst Alabaster wird mit moder überstreut

Den feinsten Marmel frist die allzustrenge zeit

Wie kan dein schönster leib dann wohl verschonet werden?

Noch will der himmel dich die andre Venus nennen

Drumb laß dein kaltes hertz in heissen funcken stehn

Laß nichts als feur und glut von deinem munde gehn

Laß deine geister selbst in liebes-flammen brennen.

Du weist die jugend kan uns blumen nur gewehren

Das altar hegt sonst nichts als blaße traurigkeit

Wo lust und anmut sind mit dornen überstreut

Wo gram und sorgen läst die liebes-krafft verzehren.

Bediene dich demnach der weissen Anmuths-Liljen

Die himmel und natur auf deine wangen legt

Gebrauche dich der macht die tausend hertzen regt

Eh noch der bleiche todt wird deinen glantz vertilgen.

Arminde laß mich nicht in meiner angst verderben

Es wird der himmel ja zur gütigkeit bewegt

Wann man in tieffster pflicht sich vor ihm niederlegt.

Ach laß dein göttlich lob nicht vor der welt ersterben.

Verwirff die grausamkeit! verändre doch dein wesen

Und schau hinführo mich mit andern blicken an

Ich habe lang genug berührt die dornen-bahn

Laß mich nun auch davor die zucker-rosen lesen.

Laß meine liebes-pein dein hartes hertze brechen

Erhörstu deinen knecht der vor dir niederfällt.

So wird dein heller glantz den sonnen zugesellt

Und meine flammen wird kein sturm noch unglück schwächen.