Fleh-schrifft an ihre unempfindlich- keit.
Arminde deine brust muß kaltes eyß nur hegen
Dein hertz muß härter noch als stahl und marmorstein
Ja selbst dein blut erstarrt und gantz erfrohren seyn
Weil dich mein jammer nicht zur wehmut kan bewegen,
Ach! geh doch in dich selbst betrachte deine gaben
Die himmel und natur auff deinen leib gelegt;
Es wird durch deine pracht ein steinern hertz bewegt
Und ich soll keine glut in meiner seelen haben?
Bedencke was du thust: dein blick reitzt mich zum lieben
Er hat mich ohnversehns in diesen brand gesetzt
Dein mund hergegen schilt was meine seel ergötzt
Und stürtzt mich jederzeit nur tiffer ins betrüben.
Du sprichst: ich soll dich nicht hinführo mehr berühren
Es soll kein liebes-wort aus meinem munde gehn
Wie lange soll ich dir so zu gebote stehn?
Wann wird mich deine gunst aus diesen banden führen?
Ich kan mich warlich nicht in deine weise finden
Die schönheit hat sich sonst mit gütigkeit vermählt
Doch wird in deiner brust nur tyranney verhählt
Du tadelst auch an mir die kleinsten liehes-sünden
Du möchtst zuletzt wohl gar die augen mir verblenden
Daß ich nicht ferner dörfft dein himmlisch wesen schaun
Was aber kanstu wohl auf diesen grundstein baun
Der selbst zerrissen wird von deinen zarten händen?
Arminde nicht zu scharff! Ich brenn in deinen flammen
Die Salamandren auf fast unerträglich seyn
Mein feuer rührt ja her von deinem sonnen schein
Wie kanstu mich dann nun und meine glut verdammen.
Verwirffstu meine pein und mein getreues lieben
So tadle erst zuvor dein helles augen-licht
Bestraffe deine macht die tausend hertzen bricht
Denn du hast selbst diß feur in meine brust getrieben,
Arminde hör doch auf mit meiner noth zu schertzen;
Gewiß dein laulicht seyn vertilgt nicht meine glut
Je kälter du dich stellst je heisser wird mein blut
Ach! laß dir meine qual doch endlich gehn zu hertzen.
Ich muß ja lang genug in furcht und hoffnung schweben
Soll ich ich nun ferner noch in liebes-banden stehn
Und ohne allen trost und labsal untergehn?
Soll nichts als bittres weh den matten geist umgeben?
Betrachte meine pein und meine centner-plagen
Gedencke wer du bist erwege meine glut
Schau meine flammen an und mein erhitztes blut
Und laß mich länger nicht mein eigen hertze nagen.
Dein rosen- mund kan sich auf ewig nicht verbinden
Sein glantz wird endlich doch mit schatten überstreut
Selbst Diamanten seyn von flecken nicht befreyt
Der schönste purpur läst auch seine pracht verschwinden.
Es muß dein helles aug verlassen seine strahlen
Die hier auff dieser welt mit glut und feur gespielt,
Weil auch die sonne selbst zum untergange zielt
Und uns nicht ewig wird mit fürniß übermahlen
Die höchste lilje küst den schooß der schwartzen erden
Selbst Alabaster wird mit moder überstreut
Den feinsten Marmel frist die allzustrenge zeit
Wie kan dein schönster leib dann wohl verschonet werden?
Noch will der himmel dich die andre Venus nennen
Drumb laß dein kaltes hertz in heissen funcken stehn
Laß nichts als feur und glut von deinem munde gehn
Laß deine geister selbst in liebes-flammen brennen.
Du weist die jugend kan uns blumen nur gewehren
Das altar hegt sonst nichts als blaße traurigkeit
Wo lust und anmut sind mit dornen überstreut
Wo gram und sorgen läst die liebes-krafft verzehren.
Bediene dich demnach der weissen Anmuths-Liljen
Die himmel und natur auf deine wangen legt
Gebrauche dich der macht die tausend hertzen regt
Eh noch der bleiche todt wird deinen glantz vertilgen.
Arminde laß mich nicht in meiner angst verderben
Es wird der himmel ja zur gütigkeit bewegt
Wann man in tieffster pflicht sich vor ihm niederlegt.
Ach laß dein göttlich lob nicht vor der welt ersterben.
Verwirff die grausamkeit! verändre doch dein wesen
Und schau hinführo mich mit andern blicken an
Ich habe lang genug berührt die dornen-bahn
Laß mich nun auch davor die zucker-rosen lesen.
Laß meine liebes-pein dein hartes hertze brechen
Erhörstu deinen knecht der vor dir niederfällt.
So wird dein heller glantz den sonnen zugesellt
Und meine flammen wird kein sturm noch unglück schwächen.