[Flora saß auff ihrem Throne]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Flora saß auff ihrem Throne

Bey ihr sah man die Napeen

Unter tausend Blumen stehen;

Loß und Glücke solten weisen

Welch am meisten sey zu preisen:

Was geschach? Die weisse Bohne

Ward der Anemone.

Flora rieff mit hellem Thone:

Manche spürt man übel riechen

Ob sie schön: die Veyeln kriechen

Rosen stechen Liljen färben

Nelcken welcken Tulpen sterben:

Drum für aller Blumen Crone

Gilt mir Anemone.

Nord-Wind wenn du mir zu Hohne

Mit verneutem Winter dräuest

Schnee und Hagel um dich streuest

Will ich zwar gedultig lassen

Manche weiche Blum' erblassen

Aber diß beding' ich schone

Meiner Anemone.

Venus mit dem zarten Sohne

Kam in Garten Blumen brechen

Hörte diese Worte sprechen

Sagte daß Sylvanders Treue

Bald die schönste Blum erfreue?

Geh und krön' ihn Kind zu Lohne

Mit der Anemone.

Amor war bereit zur Frohne

Flochte für den treuen Hirten

Anemon auff grüne Myrthen:

Dieser sang mit tausend Freuden:

Weil ich werde Lämmer weyden

Wo ich treibe wo ich wohne

Blüh' mir Anemone!