Flüchtigkeit des menschlichen lebens. MADRIGAL.
Es hat sonst alles seine zeit:
Der frühling darff nicht vor dem sommer sterben:
Den sommer kan nichts, als der herbst, verderben:
Der herbst weicht eher nicht, als biß der winter schneyt.
Allein der arme mensch,
Der billig, wie das jahr, vier alter solte leben:
Muß geist und leben offt, eh’ er gelebt, hingeben.
Die kindheit stirbt, eh’ sie die welt erblickt:
Die jugend, eh’ sie uns läst ihre blüthe schauen:
Ein weib, eh’ noch die frucht aus ihrem lager rückt.
Und also ist zwar allem hier zu trauen;
Nur unserm leben nicht.
Jedoch geduld! wir ändern nur den garten,
Und unser sonnen-licht;
Denn weil uns täglich hier an pflegung was gebricht,
So kan der himmel uns bey sich am besten warten.