Flüchtigkeit des menschlichen lebens. MADRIGAL.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Es hat sonst alles seine zeit:

Der frühling darff nicht vor dem sommer sterben:

Den sommer kan nichts, als der herbst, verderben:

Der herbst weicht eher nicht, als biß der winter schneyt.

Allein der arme mensch,

Der billig, wie das jahr, vier alter solte leben:

Muß geist und leben offt, eh’ er gelebt, hingeben.

Die kindheit stirbt, eh’ sie die welt erblickt:

Die jugend, eh’ sie uns läst ihre blüthe schauen:

Ein weib, eh’ noch die frucht aus ihrem lager rückt.

Und also ist zwar allem hier zu trauen;

Nur unserm leben nicht.

Jedoch geduld! wir ändern nur den garten,

Und unser sonnen-licht;

Denn weil uns täglich hier an pflegung was gebricht,

So kan der himmel uns bey sich am besten warten.