Fortsetzung der Gedancken von der Sonne, Tomo 3. des Jrdischen Ver- gnügens.
Daß es der Wahrheit ähnlich scheint,
Wenn man von allen Sonnen meint,
Daß sie nur Oeffnungen am Firmament,
Wodurch ein Theil vom Licht, so GOttes Thron ümschränckt,
Zum Nutz der Creatur, begrentzt sich abwärts senckt;
Darin hat mich noch jüngst ein heller Morgen
Noch mehr befestigt und bestärckt.
Mein grüner Vorhang hielte mich
Jm Bette, vor dem Strahl der Sonnen, noch verborgen,
Da ich in Schatten eigentlich
Den Durchbruch des so offt getheilten Lichts bemerckt.
Ich sah’ an tausend tausend Orten,
Als so viel kleine runde Pforten,
Viel zarte Lichter, recht als helle Stern’, und zwar,
Nach mehr erweiterten, und mehr verengten Grentzen,
Von erster, anderer, und dritter Grösse, gläntzen.
Jhr unterschiedlicher, nie gleicher Abstand war
Ein dentlich Ebenbild der mancherley Figuren,
So die Astronomie uns in den Sternen zeigen.
Ich fand mit leichter Müh dieselben Creaturen;
Weil ihre Menge mir Gelegenheit genug
Zu mehren, zu zerstreun, zu theilen, zu vereinen,
Und vorzustellen gab: daß ich mit Fug
Den grossen Bären, und den kleinen,
Orion, Pleiades, den Fuhrmann, nebst den Ziegen,
Den Schwan, Delphin, den Stier, durch ein gewisses fügen,
Durch ein willkührliches verbinden und zertrennen,
Dir hätte deutlich zeigen können.
Hierüber fielen mir aufs neu
Die vorigen Gedancken bey:
Wie sehr würd’ einer, dacht ich, irren,
Wie lächerlich würd’ er, was wahr und falsch, verwirren,
Der diese Lichterchen für eigne Lichter nehmen,
Und ihren Ursprung nicht,
Bey einem allgemeinen Licht,
Beym Strahl der Sonnen, suchen wollte!
Er müste sich gewiß des groben Jrrthums schämen.
So kann (und ist es gantz vermuthlich) in der That
Das prächtige Sapphirne Firmament
Allein der Vorhang seyn,
Wodurch der hinter ihm vorhandne Schein
Von GOttes heilgem Thron, zu unserm Nutzen brennt.
Es kommt aufs mindste dieses mir
Als ein Gedancke für,
Der, zu des Schöpfers Ruhm, was Grosses in sich hat.