[Freu, meine Seele, dich]

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Freu, meine Seele, dich,

Dein Abschied nähert sich,

Der Herr wird jetzund kommen,

Hab' unbesorgten Wahn,

Es ist im huy gethan

So bist du hingenommen.

Wie ich umb Abends-Zeit

Mich leg' auff eine Seit,

Vnd gantz nicht kan besinnen,

Wenn mich der Schlaff befällt,

Nicht anders schickt die Welt

Vns durch den Tod von hinnen.

So ist des Glaubens Grund,

Dein höchster Trost, dir kunt,

Daß Christus zwar gestorben,

Doch aufferstanden sey,

Vnd uns durch solche Treu

Das Leben hab' erworben.

Halt durch des Geistes Arm,

Weil dir zum Hertzen warm,

Denselben fäst umbschlossen,

So fährst du warlich hin

Als hätte deinen Sinn

Ein sanffter Schlaff begossen.

Daß aber Fleisch und Haut

Stracks die Verwesung schaut,

Soll dieses dich bewegen?

Gott wird ihm das Gebein

Befohlen lassen seyn

Vnd deiner Asche pflegen.

Was von dem Himmel rührt

Wird Himmel ein geführt,

Da wirst du, Seele, schweben

In Glantz und Herrligkeit

Vnd aller Noht befreyt

Stets bey dem Herren leben.

So steh' in deiner Zier,

Die Mitternacht ist hier,

Dein Bräutgam kömpt gegangen,

Vnd klopfft auch, ist Er da?

Bist du es, Jesv? Ja!

Ey komm, du mein Verlangen.

O Erde, gute Nacht,

Dein' höchste Lust und Pracht

Ist doch versaltzt mit Leiden,

Ich ende meinen Lauff,

Mein Heyland nimpt mich auff

In seine Himmels-Freuden.