Freuden-Lied.

By Sigmund von Birken

Schreibt ihr Schäfer diesen Tag

lasset von ihm unsre Sag

in der Bäume Wunden finden.

Dieser Tag sey unser Fest

das wir jährlich wollen feyren:

der vergnügbar unsrem Theuren

meinem Helden ist gewest.

Pegnitz! küsse deinen Rand:

den itzt adelt hohe Freude.

Blum-beschwängre diesen Sand

mach ihn zur Smaragdnen Heyde.

Deiner Nymfen flaches Dach

ziegle zierlich mit Krystallen.

laß von Leonoren lallen

deiner Fluten Wudel-Sprach.

sonne! Unser Mecänat

ob du schon bist untergangen

dannoch seine Sonne hat

siht ein Rosen-Liecht der Wangen.

Nimm itzt meine Bitt mit dir!

Gebe doch der Himmel Beyden:

Sonne! daß du Sie in Freuden

mögest sehen für und für!

Cynthia! wilst du heut nicht

an dem Himmel sichtbar werden?

oder weichst du bleiches Liecht

unsrer Cynthien auf Erden?

Was fragt nach dem Mondes-Schein

unser Held? es soll darneben

seinen Nächten Liecht zu geben

Leonora Luna seyn.

Nacht! es muß itzt allzu-nacht

auf so hellen Tag nit werden.

Mit dem Goldgestickten Pracht

deck heut dieses Zelt der Erden:

führ herfür die Sternen Wacht.

Unsren Hochvermählten Beyden

lach’ ein Tausend-Liecht der Freuden!

Trauer-Nächte! gute Nacht!

Hesperus! zeig Ihnen du

deines Mundes güldne Zinken;

und laß Ihre Liebes-Ruh

allerbästen Einfluß trinken.

Sey mit deinem Brüder-Heer

itzund ihre Hochzeit Fakel.

und als ihres Glücks Orakel

Allen Unstern-blick bekehr.

Gönnt der Ohren süsse Gnad

unsren heischern Pegnitz-Rohren;

bleibt geneigt mein Mecänat!

Fahret wohl mit Leonoren!

Lebt vergnügt durch Ihre Zier.

Eurer Namen Schall der Ehren

hier in unsren Schäfer-Chören

soll erklingen für und für.