Freuden-Schreiben an J. G. als sein Sohn Hrn. F. G. zum Doctor beeder Rechte in ...

By Heinrich Mühlpfort

Dieweil ich selbst nicht kan wie ich mir vorgenommen

Die Berge Schlesiens und dessen Pindus sehn

So soll

Und zwar gantz unbekant entdecken was geschehn.

Ich weiß diß frembde Blat wird euch nicht frembde scheinen

Wenn ihr von

Es wird das Vater-Hertz vor Freuden gleichsam weinen

Und eurer Jahre Zahl durch diese Post vermehrt.

Mich dünckt ich sehe fast die Thränen auff den Zeilen

Wie eine Regung sich hier nach der andern weist

Wie Freude Hoffnung Trost und Ruhm zusammen eilen

Und jedes einen Krantz euch zu bekrönen schleust.

Jhr denckt nun weiter nicht an die betrübten Zeiten

Die vor das gantze Land in Asch’ und Brand gelegt

An euren sauren Schweiß und Widerwertigkeiten

“und was vor Kummer mehr

Der kalten Scheitel Schnee verkehrt sich in Narcissen

Nach dem der Freuden-May in eurem Hauß’ auffblüht.

Die Kräffte wollen auch von keinem Abgang wissen

Jhr seyd auffs neu’ belebt es grünt ein jedes Glied.

Die Nachbarschafft die merckt veränderte Geberden

Und euer

Wacholdern müssen euch zu keuschen Lorbern werden

Womit ihr Tisch und Bänck’ und alles überstreut.

Denn dieses ist der Tag der auf dem

Den Sohn im

Es geht sein Ehren-Glantz vor andre Musen Söhne

Die Themis ist ihm hold Apollo hochgeneigt.

Ach möcht ihr wesentlich mein Freund die Pracht anschauen

Die ich nicht so genau in Reim zu binden weiß!

Die Augen würden da mehr Liebes-Tropffen tauen

Als bey euch Fichten sind und in dem Winter Eiß.

Wie eifrig soltet ihr vor euren Schöpffer treten

Und tausendfachen Danck abgelten seiner Gnad;

Jhr faltet eure Händ’ und würdet embsig beten

Daß GOtt den lieben Sohn so hoch erhoben hat;

Und von des Pöfels Staub und schwerer

Von

Durch seine Hand befreyt und zu dem Ehren-Stande

Darinnen wir ihm itzt glückwünschen hat gesetzt.

Ich fühle neue Glut die meinen Geist erhitzet

Es ist was Himmlisches so mir die Feder rührt

Nachdem ein alter Freund in solchen Strahlen blitzet

Die der Asträen Haupt Sieg-prangend umb sich führt.

Gewiß mir brennt die Brust was Ewiges zu schreiben

Jhr Teutschen Clarien wo ich nicht Frembdling bin.

Und solte

Dem ich schon längst geweyht Gemüthe Hertz und Sinn?

Als Jhm Sophia gab die Mütze von Violen

Und Bruder der Natur ja

Lieff meine Pieris ihm einen Krantz zu holen

Der Teutsch geflochten war nach Brauch in unserm Land.

Indessen weil das Glück uns von einander reisset

”(Wiewol kein Zufall nicht die Freundschafft reist entzwey )

Dianens Silber-Horn zum vierten jährlich gleisset

Kommt eine Post daß er der Rechten würdig sey.

Ich habe mich erfreut und Römisch da gesungen

Jhm nach dem

Nun hör’ ich daß mein Wunsch ist überwol gelungen

Nachdem ihn Philuris zu einem

Der Türckis wird gelobt den die Natur gemahlet

Ob der den Franckreich brennt gleich offters schöner sieht.

”ein Mensch der weiter nicht als von der Tugend strahlet

&q;Hat vor dem Midas-Knecht doch jederzeit geblüht.

&q;Der grosse Klumpen Gold der schärfft nicht das Gehirne

&q;Wo nicht Verdienste seyn taug auch nicht hoher Stand.

&q;Der Ahnen grauer Ruhm beschämt der Kinder Stirne

&q;Wenn jene Tugenden die Lastern sind verwand.

Nein;

Jhn hat sein

Doch weiß ich daß er wird sein Vaterland beblühmen

Mit Wissenschafft und Kunst die keine Zeit verschweigt.

”ob unser Himmel hart und nicht voll sanffter Winde

&q;So ist er dennoch nicht an grossen Seelen leer.

Daß doch der Neid allhier nicht seinen Köder finde

Sonst käme mir die Zahl zu nennen nicht gar schwehr.

”manch Berg wie kahl er ist hat fruchtbar Eingeweide;

&q;Gibt nicht das Jthaca Ulyssens Witz an Tag?

&q;Ja ein abscheulich Wurm spinnt uns so schöne Seide;

&q;Der Türcken bestes Gold hat den geringsten Schlag.

&q;Ort Reichthum thut es nicht daß kluge Söhne werden

&q;Sonst stünde Potosi mit Göttern angefüllt:

&q;Man lobt den jenigen Asturco von den Pferden

&q;Der erst das Ziel erreicht und andrer Säumnüß schilt.

Als unser

Die Perle Schlesiens das Breßlau angeschaut;

Fieng an in sein Gemüth der Künste Safft zu rinnen

Biß die berühmte Schul ihn besser noch erbaut.

Den Keim der Gottesfurcht pflantzt’ in die zarte Seele

Deß

Den Leib beschleust zwar längst des finstern Grabes Höle

Wiewol sein Name wird aus seinen Söhnen blühn.

Was die Beredsamkeit der Sprachen Eigenschafften

Und die Vernunfft Kunst lehrt hat

Ein hochverdienter Mann; sein Ruhm bleibt bey uns hafften

Biß daß die gantze Welt wird in ein Nichts verkehrt.

Was von Geschichten je der Zeiten Buch beschlossen

Was Kron und Thron erbaut und was sie nieder reißt

Kam aus

Der noch ein Wunder-Trieb gelehrter Köpffe heist.

Verhehl’ ich

In welchen er erwieß was ein Poete kan

Wie herrliche Gedicht uns von der Grufft befreyen

Und des Gedächtnüß Ruff den Sternen melden an?

Mein

Der uns das Alterthum der Stein’ und Müntzen sagt

Zeigt wie der frische Muth die Schalen durchgebrochen

Und nach der Künste Kern begierig hat gefragt.

”es wächset Pofosti eh’ als des Buch-Baums Aeste

&q;Dort bringts ein Tag und hier viel Jahre kaum hervor.

&q;Egyptens Hunde sind nur an dem Nilus Gäste

&q;Wenn sie das Wasser labt, so schreckt sie doch das Rohr.

&q;Kunst und Geschicklichkeit erfordert Müh’ und Schwitzen

&q;Ein Jahr das Faulen lang macht keinen nicht geübt:

&q;Wer nicht wil Tag und Nacht bey seinen Büchern sitzen

&q;Derselbe lebt verhönt von Leuten nie geliebt.

&q;Die Wolle muß zuvor viel andre Säffte fassen

&q;Eh’ sie zu ihrem Schmuck die Purpur-Farbe trinckt:

&q;Ein Demant wird sich vor in Gold einschliessen lassen

&q;Damit sein spielend Schein zum angenehmsten blinckt:

&q;So auch wer für der Welt die Fackel des Verstandes

&q;Einst auffzustecken denckt muß durch der Künste Licht

&q;Durch die Gelehrsamkeit die Flammen seines Brandes

&q;Zuvor den klugen Geist wol haben unterricht.

Die Menge tapffrer Leut hat

Wenn er sein gut Latein von dem Catheder laß

Und streute Reden aus gleich Blumen von den Wiesen

Wobey er weder Schluß noch Reinlichkeit vergaß.

Er war nun ausgerüst mit Pallas Helm und Waffen

Die Hippocrene floß aus seiner Feder hell’

Als ihn die Reitzung hieß nicht mehr zu Hause schlaffen;

Er suchte frembde Lufft und frembder Musen Quell.

Es gab ihm Phöbus ein die

Die Linden derer Pracht für Palm und Lorbeern geht.

Wie er kaum angelangt hört man die Schwestern schliessen

Der Neu-willkommne Gast soll von uns seyn erhöht.

Die Folge hats gelehrt. Sein rühmlich Wolverhalten

Und unerschöpffter Fleiß legt ihm bald Gönner zu;

Von welchen

Der Hülff-reich sich erwieß und schafft ihm süsse Ruh.

Aurora wenn sie blaß noch sonder Rosen blincket

Und der begraute Tag sich mehr und mehr vergüldt

Auch die besternte Nacht wenn sie ins Mittel sincket

Hat offtmals beyd’ ertappt in Bücher eingehüllt.

Wie hoch sich

Der Künste Förderer ja Stütze Trost und Heil

Anitzo sich erfreut ob

Bezeigt er anderswo und durch mein Blat ein Theil.

Ist je was seltenes von Schrifften ausgegangen

Das Tyber Tems und Sen’ ins Teutschland abgeschickt

Wie brante

Biß

Nun der Möcenas halff durch seiner Bücher Schätze

Als

Der

Weil er von Kunst und Witz ein reiffes Urtheil hägt:

Ein Freund der jenigen so sich auff Tugend legen

Und

Der Himmel kröne doch sein Hauß mit lauter Seegen

Und wenn er Lebens-satt die Musen seine Bahr!

“es meldet Griechenland viel von des Herculs Seulen

&q;An die

Biß daß er auf die Höh’ Parnassus können eilen

Und nun den argen Neid mit sichern Augen höhnt.

“so muß der Weinstock auch den Ulmen-Baum umbarmen

&q;Jm Fall der schwancke Zweig noch weiter steigen soll

&q;Und von der Sonnen Glut zu reiffer Frucht erwarmen:

&q;So ist dem Nelcken-Strauch wenn er gestängelt wol.

&q;Der Mensch wie klug er sey darff doch der Menschen Rathen

&q;Ein jeder Schlüssel schleust nicht jegliches Gemach:

&q;Wenn man vor Weise hört und überlegt die Thaten

&q;So folget auch beglückt die edle Würckung nach.

Wie

Der Dinge Heimlichkeit und Wechsel zu verstehn

Wie er ihm die Natur bekandt hat wollen machen

In ihrer Sacristeiverborgnes Zimmer gehn

Kan noch der Helikon und dessen Väter sagen:

Er hat zu erst gelernt und darnach selbst gelehrt

Der Künste Honigseim anmuthig fürgetragen

So daß die Jugend ihn mit lauter Lust gehört.

Bald ward die Sitten-Lehr und bald das Buch der Zeiten

Bald die Regirungs-Kunst und der verstellte Stat

Zum theil von ihm erklärt zum theil durch kluges Streiten

Erwogen und durchsucht so manch berühmtes Blat.

Hiemit hub an sein Ruhm sich in die Höh’ zu schwingen

Die Hohe-Schule hieß ihn

Jhm war es nicht genug: sich weiter noch zu bringen

Lag er den Rechten ob und buhlt umb Themis Gunst.

Was des

Der Rechte grosses Buch von den Gesetzen zeigt

Beflammte seine Brust mit einem solchen Feuer

Daß sein Gemüthe nur auff ihren Zweck geneigt.

Jhm stand’ die edle Reyh der alten Rechtsgelehrten

Der

Die Lichter unser Zeit so jener Hoheit ehrten

Die reitzten

Und der Gerechtigkeit gantz Diamant’ne Krone

Warff Blitze derer Glantz der Laster Nacht zertrieb.

Asträa wieß bereit den Purpur ihrem Sohne

Und schwur auß Mutter-Treu Er wär’ ihr hertzlich lieb:

Er solte mit der Zeit geweyhter Priester heissen

Beträngten schaffen Rath und zweiffelnden ihr Recht;

Der Zänckereyen Garn durch den Verstand zerreissen

Und sorgen daß niemand wo die Gesetze schwächt.

Man würde seinen Mund wie ein Orakel ehren

Wenn er als Oedipus manch Rätzel außgelegt;

Die Nachwelt eilte schon sein edles Lob zu mehren

Wie Rom den

Was wundern wir uns nun daß dieses Prophezeyen

Der Außgang hat erfüllt und

Wir hören durch die Lufft

So daß der Lorbeer-

Und weiter sind bemüht die hurtigen Poeten

Zu schreiben seinen Ruhm ins Buch der Ewigkeit.

Der singt ihm auf der Ley’r und jener auf der Flöten

Jedwede Gratie steht ihm zu Dienst bereit.

Und solte

Die angeborne Lieb’ und Treu’ nicht lassen sehn?

Wie groß die Freude sey ist unschwer zu ermessen

Vor vollem Jauchzen muß die Brust sich mehr aufbläh’n.

Er sagt sich selbsten wahr daß wie der Themis Hertze

Der

Und

Zu

Der Grund-gelährte

Und

Man siehet

Zusamt dem

Und was vor Seulen mehr Asträens Tempel zieren

So

Mnemosyne gräbt ein den taurenden Saffyren

Zu was vor einem Mann ihn wacker Fleiß gemacht.

Allein ich werde laß: Ruh Clio denn ein Schreiben

Das beyde Händ’ erfüllt ist selten angenehm.

Mein eintzig Zweck der muß beym

Dem dieser werthe Tag zur Frölichkeit bequem.

Jhr habt bejahrter Greiß genugsam können mercken

Wie seiner Jahre Lauff der Sohn hat hingelegt

Und was vor Ehr’ entsprosst auß Kunst und Tugend-Wercken

Wie seine Scheitel nun die Sieges-Lorbeern trägt.

Unfehlbar wird euch jetzt das Blut in Adern quellen

Und ener Sinnen-Hauß Ergetzligkeit beziehn.

Der Himmel hat euch woll’n ein solches Glück zustellen

Aus welchem Freud’ und Lust gantz überschwencklich blühn.

“wie wenig Väter sehn an ihren Kindern Kronen

&q; Viel bauen dem Geschlecht ein ewig Schmach-Altar:

&q;Doch weil die Frömmigkeit der Höchste wil belohnen

So machet er den Spruch durch diß Exempel wahr.

Indessen lebt vergnügt; es muß euch selig preisen

Die Nachwelt ob den Leib die Fäulniß schon verzehrt.

“denn wenn die Väter sich durch solche Söhne weisen

&q;Wird ihrem dunckeln Grab deß Ruhmes Licht gewährt.