[Freund/ den ein gedoppelt Band mir auff ewig hat verbunden]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Freund den ein gedoppelt Band mir auff ewig hat verbunden

Liebster Freund wo seyn nunmehr die so angenehme Stunden

Die in unsrer Unschuld wir

Weyland so vergnügt begiengen?

Wie doch geht in allen Dingen

Ein so schneller Wechsel für!

Keine Sonn in kurtzem sieht der sonst heitre Tag erscheinen

Wer zum frühen Morgen lacht muß auf späten Abend weinen

Sizt er in der glatten Schoß

An Vermögen reich dem Glücke:

Wie ist er im Augenblicke

So von Gutt und Hoffnung bloß.

Hat jemand so haben wir diß nur allzuviel erfahren

Unser Glücke strich dahin eh wir dessen fähig waren.

Nichts als ein getreuer Sinn

Nichts als redliche Gemütter

Ist vom Schiffbruch unsrer Gütter

(Edles Kleinod!) der Gewinn.

Diese diese wie wir sie allbereit verwechselt haben

Wollen wir in eine Grufft neben unsern Leib vergraben.

Treues Hertze treue Hand

Müssen sie sich izt gleich schmiegen

Unter fremden Füssen liegen

Gehen doch durch jedes Land.

Liebet das Verhängnis gleich unsre Gegenwart zu trennen

Soll doch dessen strenge Macht unsre Freundschafft nicht erkennen

Die auff ewig steiff und fest

An welch End und Ort der Erden

Sie auch mag verschlagen werden

Ihre Flammen scheinen läst.

Wer weiß was das Glücke noch ein und andern kan bescheren

Wo dir das Verhängnis noch in die Armen kan gewähren