Friede

By Christian Morgenstern

Written 1892-01-01 - 1892-01-01

Wie weich sich Form und Farbe binden

in Sommermittags glühem Hauch: –

Das Dorf im Schatten alter Linden,

ein rötlich Dach, ein Wölkchen Rauch;

der Bergbach, dessen heitre Eile

sich glitzernd durch die Wiese webt;

der Straße laubverhüllte Zeile,

die ahndevoll zur Ferne strebt;

und all dies gütig eingeschlossen

von hoher Felder Gold und Duft;

und alles flimmernd überflossen

von lerchenlauter Juliluft ...

Ich schau des Herdrauchs fromme Kreise

zum hohen Blau erblassend ziehn, –

und meine Seele füllen leise

des Friedens süße Harmonien.