FrühlingFußnoten

By Annette von Droste-Hülshoff

Written 1835-01-01 - 1835-01-01

Die Rebe blüht, ihr linder Hauch

Durchzieht das tauige Revier,

Und nah' und ferne wiegt die Luft

Vielfarb'ger Blumen bunte Zier.

Wie's um mich gaukelt, wie es summt

Von Vogel, Bien' und Schmetterling,

Wie seine seidnen Wimpel regt

Der Zweig, so jüngst voll Reifen hing.

Noch sucht man gern den Sonnenschein

Und nimmt die trocknen Plätzchen ein;

Denn nachts schleicht an die Grenze doch

Der landesflücht'ge Winter noch.

O du mein ernst gewalt'ger Greis,

Mein Säntis mit der Locke weiß!

In Felsenblöcke eingemauert,

Von Schneegestöber überschauert,

In Eisespanzer eingeschnürt:

Hu! wie dich schaudert, wie dich friert!