Frühlings-gedancken

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Kom Cynthia der frühling tritt heran

Die blume wil nicht in der knospe bleiben

Die nachtigal stimmt ihre lieder an

Und will die zeit mit liebligkeit vertreiben;

Der weinstock weint zum zeugen seiner lust

Daß Phöbus ihn mit neuen augen grüsset

Feld thal und berg schmückt lenden schooß und brust

Wenn Flora sie mit buntem munde küsset.

Es rühren sich die kräffte der natur

So durch den frost vor diesem war verschlossen

Was adern hat kommt auff der liebe spur

Und was der thau des himmels hat begossen.

Cupido reist auff seine laute zu

Die saiten sind des leibes beste sehnen

Ich Cynthia verliehre trost und ruh

Bewegen dich nicht meine heisse thränen?

Komm Cynthia bewege geist und fuß

Und komm mit mir in einen schlechten garten

Der blumen schar empfindet fast verdruß

So lang auff dich mein schönes licht zu warten.

Was noch der frost mit schlechten banden drückt

Und eine lufft des weissen nordens bindet

Wird alsobald erlöset und erquickt

Wenn sich der glantz von deinen sonnen findet

Trit fröhlich zu denck auff die blumen nicht

Dieselben durch die füsse zu verderben

Es ist ihr wunsch also seyn zugericht

Und durch den fuß der himmlisch ist zu sterben.

Doch liebest du vielmehr die süsse ruh

Und bist gesinnt dich in das graß zu setzen

So läst es dir auch diese freyheit zu

Wie solte sie das schöne theil verletzen.

So trachte nur weil erd und himmel lacht

Die schöne zeit nicht schläfrig zu verliehren.

Erwege doch, was jener sperling macht

Es will der schalck uns in die schule führen.

Schau was man dort mit jener schmate thut

Man nimt den stock und pfropffet in die krinne

Es regt in mir sich adern geist und blut

Komm daß ich auch dergleichen spiel beginne.