Frühlings-Gedichte.
Der strenge Winter ist vorbey, der laue Lentz erschei- net wieder;
Auf, auf, mein Geist! nimm alle Kraft und alle Fähigkeit
Zu sehn, zu fühlen, zu bewundern! Auf bringe Danck-
Dem GOtt, aus dessen blossem Wollen, die Herrlichkei-
Laßt uns von seiner Güt und Lieb’ und seiner weisen
Laßt uns, zu seinen heil’gen Ehren, auch andern unsre
Jetzt zur holden Frühlings-Zeit,
Da sich die Natur erneuet,
Wird mit Lust und Lieblichkeit
Alle Creatur erfreuet.
Eine Fülle von Vergnügen
Seh’ ich auf der Erde liegen,
Auf den klaren Fluten schwimmen,
In den reinen Lüften glimmen.
Es beblümen sich die Felder,
Es belauben sich die Wälder;
Jhre dünn- und klaren Schatten
Zieren die begrünten Matten.
In der Thiere regem Blut
Regt sich eine neue Glut,
Daß sie frölich hüpfen, springen,
Frölich zwitschern, frölich singen.
Seht das blühende Gebüsche,
Seht die Schuppen-reiche Fische,
Hört das Klingen, das Gezische
Der gefärbten Vögel an!
Riecht von so viel tausend Arten
Blumen in dem bunten Garten!
Fühlt das Schmeicheln lauer Düfte!
Hört des Säuseln linder Lüfte!
Seht, wie dort auf glatter Flut
Die Sapphirne Himmels Glut,
In schmaragdnen Ufern, ruht.
Seht wie ihr polierter Spiegel
Blumen, Kräuter, Busch und Hügel
Lieblich, nach dem Leben mahlt!
Gleicht nicht die beblühmte Wiese,
Von der Sonnen überstrahlt,
Gleichsam einem Paradiese?
Alles was mein Auge siehet
Pranget, funckelt, gläntzt und glühet,
Scheinet, schimmert, grün’t und blühet.
Meine Seele wird erquickt,
Wenn sie, wie die Welt geschmückt,
Schöner Lentz, in dir erblickt!
Wenn ich an so mancher Stelle
Dieser Wunder Meuge seh,
Zieht mein Geist sich in die Höh’,
Suchet aller Wunder Quelle.
Da nun fällt der Sonnen Licht
Alsobald mir ins Gesicht,
Diese giebt mir zu erkennen,
Daß die Wunder auf der Erden
Und derselben holde Zier
Form und Farben blos von ihr
Wunderbar gewircket werden.
Doch dieweil der Sonnen Gläntzen
Maasse, Schrancken hat und Gräntzen;
Zeigt sich, daß ihr herrlich Licht
Schön, doch keine GOttheit nicht.
Dennoch führt sie uns am höchsten
Und der GOttheit fast am nächsten,
Welche meine Seel’ in mir,
Wie sich selbst, nicht sehen kann,
Darum bet’ ich oft in ihr,
In der Sonnen Kraft und Zier,
Jhr, und meinen Schöpfer an.
Wenn wir also sehn und spühren
Alle Wunder, die uns rühren
In der holden Frühlings-Zeit,
Laßt, durch frohes Sehn und Hören,
Uns den grossen Ursprung ehren,
Der so wol die Herrlichkeit
Und der Sonnen Licht und Pracht,
Als die gantze Welt, gemacht,
Und aus dessen blossen Willen
Aller Dinge Wesen quillen.
Grosse GOttheit, laß die Lust
Unsrer von dem Wunderschein
Deiner Werck’ erfüllten Brust
Dir, durch dich, gefällig seyn!