Frülings-Gedancken. – Sigismund Pichler und Elisabeth Bulbeck

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Ich grüsst' in diesen Tagen

Das Friedeländer Thor,

Es hatte sechs geschlagen,

Die Sonne stieg empor:

Was sah' ich nicht für Frewden?

Der Reiff lag vmb das Graß,

Ein Finck sang auff den Weyden,

Der Pregel stund wie Glaß.

Ich war die Brück' hinüber,

Wie sprang das geile Vieh,

Der stoltze Stier, jhr Lieber,

Trat mitten vnter sie,

Der Hirt hub an zu blasen,

Wie tantzten sie vmbher

Auff den betawten Rasen

Als wenn es Hochzeit wär!

Sie wurden ausgetrieben

Dieß Jahr zum erstenmal,

Nachdem sie lang geblieben

In jhrem finstern Stall,

Ich sprach: der Freyheit Gaben

Thun diesem Vieh auch wol,

Wer dieses Gut kan haben,

Ist alles Reichthums vol.

Vnd hätt' ich Goldes-Tonnen

Vnd was des Pregels Rand

An Schätzen hegt, gewonnen,

Säß' aber eingespannt

Vnd könte mich nicht retten

Aus Sorgen, Furcht vnd Pein,

Ich würd' in güldnen Ketten

Dennoch ein Sclave seyn.

Wolt ich ein Vöglein schliessen

Gleich in ein silbern Hauß,

Der Freyheit zu geniessen

Sehnt sich es doch hinaus:

Die Schätze sampt den Würden

Sind ein geschminckter Schmertz,

Sind Dienst vnd schwere Bürden,

Ich lob ein freyes Hertz.

Ein Vnschuldreiches Leben,

Das sich des Herren Zucht

Gehorsam vntergeben

Vnd jhm zu dienen sucht:

Kan ich nur den Schatz werben,

Vnd, nimmt der Tod mich hin,

Ihn lassen meinen Erben,

So hab ich gnug Gewinn.

Wir reisen hin vnd wieder

Weit über Land vnd See,

Vernützen vnsre Glieder,

Thun vnserm Hertzen weh:

Das wahre Gut zu kriegen,

Das vns in vns nur führt

Vnd ewig kan begnügen,

Wird wenig fleiß gespürt.

Lasst bleiben, liebe Leute,

Das reiche Morgen-Land,

Steht nicht nach grosser Beute

Fern vmb Hydaspes Strand,

Ein jeder thu die Reise

Tieff in sein Hertz hinein,

Das laß er aller Weise

Von Schuld gesaubert seyn.

Vnd dan erst wird er finden

Das Bodenlose Gut,

Das nimmermehr kan schwinden,

Den allzeit freyen Muth,

Ihm ist kein Pracht, kein Prangen

Auff aller Erden gleich,

Wer diesen Schatz kan fangen,

Hat erst ein Königreich.

Wie kömpt dieß ewrer Liebe,

Hochwerther Bräutgam, bey?

Auch ewer Hauß war trübe

Vnd eine Wüsteney,

Seit ewer Hertz verstorben,

Ihr lebtet als im Bann

An Sinn vnd Geist verdorben

Vnd ein gefangner Mann.

Jetzt aber legt jhr nieder

Den trüben Witwer-Stand,

Freyt ewre Freyheit wieder

Durch dieses Heyraht-Band,

Auff ewrer Liebsten Sinnen

Ist ewer Sinn gestellt,

Ihr lasst Euch Sie gewinnen,

Sie ewer freyes Feld.

Entsagt nun allem Leiden,

Nehmt ewrer Freyheit war,

Gebraucht euch jhr in Frewden,

Sie kröhn euch jmmerdar:

Lasst frembdes Vrtheil streichen,

Folgt ewrem Raht allein,

Der nach so manchem Zeichen

Nichts kan als Wolstand seyn.