Fuge, tace, quiesce. Oder Glücklicher Todes-kampff der seligen Frauen von Meinde...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wir arme sterblichen wir haben aug' und licht Und dennoch fliegen wir wie mutten ins verderben. Wir fühlen wenn der tod uns das genicke bricht Nicht aber allemahl wann unsre seelen sterben. Wir riechen zwar das grab doch nicht die seuchen an; Wir schmecken nur das gifft nicht aber seine lehren: Ja da wir den Galen als einen gott verehren So wird dem Moses offt das ohre zugethan: Und also sterben wir vor an verstand und sinnen Eh' unsre lippen schnee die glieder eiß gewinnen.

Daher entspringt die furcht des Dionysius

Ach aber thörichte! was seyd ihr doch bemüht

Man falle wie man will durch pulver oder bley

Hier aber wancket offt die nadel der vernunfft;

Diß hat vor Zeiten schon die kluge welt bedacht

Ihr die ihr geld und gut vor eure götter schätzt

Ihr erster lebens-tag trat voller freuden ein

Inzwischen kam der tod einst bey gewölckter nacht

Doch nein! ich irre mich ich irre fuhr er fort

Diß hatt er kaum gesagt so ließ die schlangen-brut

Hier hast du liebster sohn sprach dieser höllen-brand

Erschrick nicht bließ sie drauff ihm in die ohren ein

Aurora ist so schön bey frühem morgen nicht

Gleichwohl kam ihre pracht nicht denen andern bey

Die andre übertraff das gantze Morgenland

Hier siehstu (fing indem die sünde wieder an)

Diß sagte sie und flog als wie ein plitz davon

Der morgen zeigte kaum das lichte rosen-tuch

Diß pfiff der seligen die schlange täglich für.

Und also blieb ihr hertz von aller regung frey

Hingegen wandte gleich ihr engel wieder ein:

Was hilfft es? fuhr er fort daß man die halbe welt

Nachdem der hoffart nun der bogen auch zerbrach

So artig wissen uns die laster ihren gifft

Hier strich die selige den dampff der eitelkeit

Wie der Chameleon wenn er vor eyfer bebt

In diesem stande nun fand der ergrimmte tod

Gott (rieff der engel drauff) hat dieses auch erlaubt.

Wer weiß was für ein schatz in der gesundheit steckt

Und damit stellte sich nun die verzweifflung ein

Auff die verzweiffelung kam schmertz und ungedult

So schwatzte fleisch und blut; jedoch ihr treuer geist

Ach aber! fuhr er fort ihr klagt und wisset nicht

Durch dieses ward ihr hertz so wie ein mandel-baum

Mein Meinders gute nacht! wir haben obgesiegt.

So sagte sie und gab der erden gute nacht:

Ihr blinden sterblichen laufft für dem tode nicht!

Diß alles ist geschehn der cörper ist versenckt