G alante und verliebte A rien. Auf Leßbien. S. D.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Leßbia, mein leben,

Hat sich mir ergeben,

In gewünschter pflicht,

Ich will bey ihr stehen,

Biß ich werde gehen

Hie aus diesem licht,

Was vor leid

Ich iederzeit

Um sie hab ertragen müssen,

Will ich itzt beschliessen.

Die gewünschten freuden,

So sie vor mein leiben

Mir ertheilen will,

Soll kein leid beschweren,

Ja sie sollen wehren

Ohne maaß und ziel:

Jhre zier,

Will einig mir,

Sich in allen liebes-fällen

Zu gebothe stellen.

Aller pracht und prangen

Jhrer süssen wangen,

Jhr corallen-mund,

Jhre zarten hände,

Jhrer armen bände

Sind mir nun vergunt:

Ehe muß

Ein überfluß,

Als ein mangel in den sachen

Mich verdrossen machen.

Sind im obst viel kerne,

Wie am himmel sterne,

Wirfft der Nord viel schnee:

Sind viel rauhe wellen,

Wenn die winde bellen

Auf der wüsten see:

Mehr sind küß,

Ich meiß gewiß,

Die sie mir zum liebes-zeichen

Wird mit willen reichen.

Solt ich solcher massen

Mich gereuen lassen

Meiner sorg und pein!

Wer auf sein verdriessen

Diß hat zu geniessen,

Kan nicht elend seyn:

Elend kan

Nicht seyn der mann,

Dem sein lieb auf alles leiden

Lohnt mit solchen freuden.