Gedancken auß dem 126. Psalm Bey Beerdigung Fr. J. B. g. L. den 19. April 1676.
Ein Stoß der's Auge trifft bringt freylich nasse Zähren
Doch der ins Hertze geht richt Seel und Leben hin.
Was soll
Sein Zufall kränckt mich selbst daß ich voll Thränen bin.
Es scheint zwar ungeschickt zu Thränen Thränen setzen
Und bey Bekümmerten mehrt weinen nur das Leid:
Doch weil die Thränen sind der Engel ihr Ergetzen
Ein Balsam der mit Macht bekämpfft die Traurigkeit;
Und was man satt beklagt doch niemals satt beweinet
So laß er Thränen jetzt der Liebsten Opffer seyn.
Ich weiß daß auch sein Geist gantz willig hier erscheinet
Weil selbst der Himmel ihm flöst diese Tropffen ein.
Diß was sein Mund gelehrt in feurigen
Wenn wahrer Andacht Blitz die Zunge hat entflammt;
Wie unser Sterbligkeit besteh in engen Schrancken
Und von der ersten Schuld der Tod noch auf uns stammt
Ja ein verweßlich Korn wir säen in die Erden:
Macht jetzt die Folgerung an seiner Liebsten klar.
Er sieht sein halbes Hertz zu Stanb und Asche werden
Und seiner Jahre Trost liegt auf der schwartzen Baar.
Heist dieses nicht in Angst und bittren Thränen säen?
Gleich wie der Ackersmann mit seufftzen seine Frucht
Wenn starcker Hagel fällt wenn rauhe Winde wehen
Der Erden zuvertraun auf künfftig Wachsthum sucht:
Es schleust der Bäthe Schoß die Hoffnung von dem Jahre
Die er nur mit Gebet und Wunsch befödern kan:
Hier liegt
Und nimmt die Thränen noch die er jetzt liefert an.
Vors erste nenn ich es erhitzte Liebes-Thränen
Die von den Tugenden der Liebsten außgeprest.
Gewiß daß sie nach sich ein unaufhörlich sehnen
Zum Denckmal steter Treu in seinem Hertzen läst.
Es mag das Morgenland des Balsams theure Gaben
Die Myrrh’ und Aloe berühmten Gräbern weyhn;
Hier kan die
Wenn es ihr Ehschatz wird mit Thränen überstreun.
Denn diese rinnen auch auß recht getreuem Hertzen
Bevor wenn er erwegt den klaglichen Verlust
Und wie sie jederzeit als Aertztin seiner Schmertzen
Und Kummerwenderin zu rathen hat gewust.
Der Kern der
Deß Vaters Priesterthum hieß sie nicht weltlich seyn
Nach dem sie nun mein Herr als Priester ihm geschworen
Traff gleiche Lebens-Art mit ihren Sitten ein.
Ich mag mit Heucheley die Leiche nicht beschütten
Noch der Exempel Zahl zum Beyspiel führen an.
Jhr Wohl-Verhalten wird ihr so ein Lob anbieten
Daß der sonst alles schillt der Neid nicht schelten kan.
Sie war die Monica in Seufftzen-reichem bethen
Placilla wenn es kam den Armen Guts zuthun
Ist wie Gorgonia für ihren GOtt getreten
Mit Wünschen daß ihr Hauß möcht in dem Segen ruhn.
Hat in Bescheidenheit und Tugend-vollem Leben
Als wie Paulina that den Ehren-Spruch erlangt
Daß sie als eine Zier der Frauen zu erheben
Die auch bey Creutz und Leid den Rosen gleich geprangt.
Sie merckte daß sie hier in Thränen würde säen
Und daß der Christen Creutz ihr auf den Schultern lag
Ja wie die Welt uns nichts als Hohn Verfolgung
Und einen Kelch der Angst zu bieten nur vermag.
Doch glaubte sie dabey daß diß ein edler Samen
Der uns die Pflantzen bringt der grossen Herrligkeit
Daß in das Lebens-Buch geschrieben sey ihr Namen
Und hat mit Helden-Muth zum Sterben sich bereit.
Ich meyn
Womit sein treues Aug und Hertz ist überschemmt
Er Creutzes-Thränen fühlt dabey er mehr muß bluten
(hem̃t.
Und daß der Schmertzen Strom kein Wehr der Tröstung
Verliehren was uns hier das Leben noch erweitert
Den allerliebsten Freund sehn von der Seite fliehn
Die Sonne so das Hauß mit ihrem Glantz geheitert
Sehn in die Finsternüß der todten Schatten ziehn
Ist ein hochmächtig Leid. Bevor wenn man verlassen
In öder Einsamkeit die zarten Pflantzen sieht
Es kan das Mutter-Hertz die Trauben nicht umbfassen
So doch aus ihrem Blut holdselig auffgeblüth.
Creutz über alles Creutz! Die lallend halbe Stimme
Spricht noch der Mutter Treu um Brust und Nahrung an.
Und er
Wie embsig sie auch war nun in den Sarg gethan.
Doch liegt in diesem Creutz nnd Thränen was verborgen
Das von der Ewigkeit uns einen Vorschmack giebt.
Nach Donner-schwartzer Nacht folgt offt ein heller Morgen
Und dieser der uns schlägt ist Vater der auch liebt.
Wir dürffen auf die Welt nicht unsern Samen säen
Deß Fleisches faule Lust zeigt Pültze voller Gifft:
Bald wirds den Schwämmen gleich in Hoffart sich aufblähen
Bald kommt der Geitz hervor so nichts als Jammer stifft:
Nein Christen müssen erst durchs Creutz geprüfet werden
Wie uns sein heilig Mund schon längsten hat gelehrt.
Der Mensch ist mehr als Mensch und trägt was mehr als Erden
Der Gott sich unterwirfft und seinen Willen ehrt.
Ich weiß wie hefftig ihn die Thränen jetzt auch beissen
Sionis theurer Ruhm der Kirchen Trost und Liecht
So wird er mit der Zeit sie linder fliessen heissen
Weil seiner Liebsten es an keinem Gut gebricht.
Denn ihre Thränen sind zu lauter Perlen worden
Wormit sie
Es stürmt auf ihre Saat kein kalter Wind auß Norden
Jhr Ernd ist überauß gerathen und beglückt.
Ach Wonne der nichts gleicht! Sie trägt nun ihre Garben
Mit Jauchtzen und Geschrey des Himmels Scheuren ein.
Verwundert derer Glautz daß mit der Purpur Farben
Von unsers Heylands Blut sie so gemahlet seyn.
Zu dem
So Liebe Creutz und Freud in einem Circkel führt
Ein Auffboth daß wir uns nach jenen Freuden sehnen
Worinn sein werthster Schatz gekrönet triumphirt.
Jhr Angedencken tilgt auch nicht die See der Zähren
Des Creutzes schwere Last mehrt seiner Liebe Preiß
Jhr edler Saame muß uns diesen Trost gewehren;
Daß wer mit Thränen säet die Erndte selig weiß.