Gedancken bey auffgehender morgen-röthe
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Aurora deine rosen blicken
Der purpur triefft aus deiner hand
Du suchst durch dieses reine pfand
Die welt und alles zu erqvicken
Und machst die bahn von gold und nectar voll
Darauff dein Phöbus lauffen soll.
Ein iedes blat bey meinen füssen
Ein ieder vogel über mir
Verehret dich und opffert dir;
Und giebet uns mit lust zu wissen
Wie itzt dein glantz und deiner wunder pracht
Verjagt das leid und dämpfft die nacht.
Du heist den unmuth von uns scheiden
Die blumen weinen dir vor lust.
Du öffnest deine bunte brust
In wilden püschen thal und heiden.
Nur die so dir fast gleichen zierrath führt
Wird nicht durch deine pracht gerührt.
Corinne läst sich nicht bewegen
Du fäll'st ihr wüten nicht dahin
Sie weiß den kalten Tyger-sinn
Nicht abzuthun nicht weg zu legen.
Sie speiset mich mit angst und bleichem leid
Wie du die welt mit lieblichkeit.
Ihr harter geist weiß nicht zu biegen
Ihr haß der geht nicht mehr zu ruh
Er will stets munter seyn wie du
Und gegen mich zu felde liegen;
Sie macht daß mir dein angenehmer schein
Den blitzen ähnlich dünckt zu seyn.
Aurora brich doch diese sinnen
Und lege diesen hohen muth!
So dir nur schimpff mir unrecht thut:
Komm tilge ferner ihr beginnen.
Legstu mir nun dergleichen kleinod zu
So werd' ich wieder roth wie du.
Du must den kalten schnee vertreiben
So unter warmen bergen ist
Und mich zu martern hat erkiest
Sonst kan und weiß ich nicht zu bleiben.
Aurora wilstu wie Corinne seyn?
Du läuffst und läst mich hier allein!