Gedancken des gefallenen und wieder durch Christum erlösten menschen.
O Heilige Dreyeinigkeit!
Wie seelig war ich doch, als ich zur göldnen zeit
Dein theures ebenbild, so würcklich war, als hieß!
Da warest du mein gut, mein ruhm, mein paradies.
Ach aber! ach die goldne zeit
Ward bald zu finstrem bley, als ich der unschuld kleid
So liederlich verschertzt, das wahre gut verflucht,
Und in des satans hand gut, ehr und lust gesucht.
Da gieng dein ebenbild dahin;
Daß ich itzund ein bild der bösen schlange bin,
Weil ich ihr lügen-wort der wahrheit vorgesetzt,
Und den, der alles ist, als lauter nichts geschätzt.
Ach! wär ich nichts, ich sünden-knecht!
So wär ich, als ein nichts, von dem erzürnten recht
Und von dem urtheil frey, das der, so alles ist,
Jtzt, leider! über mich verdammten sünder liest.
Werd ich von deinem zorn erwürgt?
Ist nirgends keine klufft, die mich vor dir verbirgt?
Ach nein! Dein donner schlägt auch in den abgrund ein,
Und wen du treffen wilst, kan nirgend sicher seyn.
Der grimm hat seinen freyen lauff.
Weh mir! wo soll ich hin? Der himmel thut sich auf.
Weh mir! nun bin ich hin! Nun muß ich untergehn!
Denn welch geschöpffe kan vor seinem schöpffer stehn?
Doch irr ich? oder seh ich recht?
Mich deucht, (o süsser blick vor mich verworffnen knecht!)
Des höchsten liebe läst den thron des himmels stehn,
Und will mir unverhofft mit trost entgegen gehn.
So ist es: GOtt erniedrigt sich,
Und wird, o wunder-werck! ein armer mensch, wie ich.
Das wort nimmt fleisch und blut in einer jungfrau an:
Damit ich durch das wort im geiste leben kan.
O unvergleichlicher entschluß!
Das leben kommt und stirbt, weil ich sonst sterben muß.
Gott nimmt durch seinen tod dem tode seine macht,
Und stürtzt der schlangen wuth, die mich zu fall gebracht.
Die unschuld selbst zahlt meine schuld,
Und GOttes eyfer stillt die leidende geduld,
Den eyfer, den mein fleisch, den meine missethat,
Und mein verruchtes hertz allein entzündet hat.
Die lust, den ehrgeitz, und den neid,
Büßt JEsus, der mich liebt durch unverdiente schmach,
Durch strenge dürfftigkeit und hartes ungemach.
Nun schau ich recht, o Heilge Drey!
Daß deines hertzens grund ein brunn der liebe sey:
Indem du deinen feind so unaussprechlich liebst,
Und dich dem büssenden in Christo wiedergiebst.
Wiewohl ich bleib ein klotz und scheit,
Wo mir dein starcker geist nicht krafft zur busse leiht:
Denn satan bildet sich durch hochmuth, geitz und lust
Noch immer, wie zuvor, in meiner offnen brust.
Drum hilff, daß des erlösers geist
In mir den götzen-bau des teufels niederreist:
Daß ich durch busse, glaub und liebe davon frey,
Und dir zum ebenbild aufs neu geschaffen sey.