Gedancken eines Vernünftigen/ bey Betrachtung seiner allzufreyen und wieder die ...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

In dieser Einsamkeit kan ich nicht einsam seyn:

Es stellen sich itzt meine Fehler ein.

Ach! mein Gewissen schwärtzt die schwartze Sünden-Nacht

Weil meine Feder hat manch schwartzes weiß gemacht.

Herr Gott erbarme dich

Sprich nicht das Urtheil über mich

So meine Sünde hat verdienet.

Reiß doch aus mir die böse Lust

Die dir am besten ist bewust

Und noch im Hertzen grünet.

Was hat nun dein Verstand gethan

In dem der Sieg des bösen Willen stecket?

Was mich erschrecket

Der grünen Jugend schaden kan

Und was die Tugend kräncket.

Kein Thier ist nicht so elend dran

Als wie ein Mensch dem Gott Vernunft geschencket

Und der sie nur zum bösen lencket.

Aus Uppigkeit floh' ich des Himmels Bahn.

Die Welt hat mich verführt

Die schnöder Lust den Beyfall pflegt zu geben.

Ich wolt' ehr Gott als ihr zuwieder leben

Und war dem Volcke gleich

Das lieber jenes seelge Reich

Als wie ein schönes Wort von Liebes-Lust verliehrt.

Ach! meine Poesie?

Die man des Himmels Sprache heißt

War die Beredsamkeit der Höllen.

Sie war der Advocat

Den wieder den Verstand ein Hertz gedinget hat

Der beyde zu den Abgrund reißt.

Was man verkehrt geschrieben

Ist ehe man noch stirbt unsterblich schon geblieben;

Es ist gedruckt und das Gewissen mit;

Es reitzet stets wenn uns die Reu betritt.

Was nun

Elender Mensch zu thun?

Hat sonsten dein Verstand

Die Gründe wissen auszusuchen

Die das gebilliget was du nun must verfluchen

So sey er nun zum guten angewandt.

Fließt ihr Thränen brecht heraus

Löscht die bösen Lieder aus.

Denn frolocke nach der Nacht

Wenn des Himmels Klarheit scheinet.

Aber nimm dein Hertz in acht

Sonsten bricht eh man es meinet

Neue Dunckelheit ins Hauß.

Itzo fließt ihr Thränen raus

Löscht die bösen Lieder aus.