Gedancken eines Vernünftigen/ bey Betrachtung seiner allzufreyen und wieder die ...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
In dieser Einsamkeit kan ich nicht einsam seyn:
Es stellen sich itzt meine Fehler ein.
Ach! mein Gewissen schwärtzt die schwartze Sünden-Nacht
Weil meine Feder hat manch schwartzes weiß gemacht.
Herr Gott erbarme dich
Sprich nicht das Urtheil über mich
So meine Sünde hat verdienet.
Reiß doch aus mir die böse Lust
Die dir am besten ist bewust
Und noch im Hertzen grünet.
Was hat nun dein Verstand gethan
In dem der Sieg des bösen Willen stecket?
Was mich erschrecket
Der grünen Jugend schaden kan
Und was die Tugend kräncket.
Kein Thier ist nicht so elend dran
Als wie ein Mensch dem Gott Vernunft geschencket
Und der sie nur zum bösen lencket.
Aus Uppigkeit floh' ich des Himmels Bahn.
Die Welt hat mich verführt
Die schnöder Lust den Beyfall pflegt zu geben.
Ich wolt' ehr Gott als ihr zuwieder leben
Und war dem Volcke gleich
Das lieber jenes seelge Reich
Als wie ein schönes Wort von Liebes-Lust verliehrt.
Ach! meine Poesie?
Die man des Himmels Sprache heißt
War die Beredsamkeit der Höllen.
Sie war der Advocat
Den wieder den Verstand ein Hertz gedinget hat
Der beyde zu den Abgrund reißt.
Was man verkehrt geschrieben
Ist ehe man noch stirbt unsterblich schon geblieben;
Es ist gedruckt und das Gewissen mit;
Es reitzet stets wenn uns die Reu betritt.
Was nun
Elender Mensch zu thun?
Hat sonsten dein Verstand
Die Gründe wissen auszusuchen
Die das gebilliget was du nun must verfluchen
So sey er nun zum guten angewandt.
Fließt ihr Thränen brecht heraus
Löscht die bösen Lieder aus.
Denn frolocke nach der Nacht
Wenn des Himmels Klarheit scheinet.
Aber nimm dein Hertz in acht
Sonsten bricht eh man es meinet
Neue Dunckelheit ins Hauß.
Itzo fließt ihr Thränen raus
Löscht die bösen Lieder aus.