Gedancken über das Bildniß einer Schö- nen in der Tabaquier.

By Johann Georg Gressel

Bey diesem Wunder-Bild da fehlet nur der Geist

Nicht prächtige Gestalt und das was Schönheit heist

Das milcherne Gesicht die Seiden-gleiche Wangen

Sieht man voll Lieblichkeit im stoltzen Schmucke prangen.

Die Augen sind ein Pech gesetzet in dem Schnee

Des Busens schöne Frucht die quillet in die Höh;

Doch gönnet uns die Hand nur halb die schönen Früchte

Und zieht das Wunder-Land uns meist aus dem Gesichte

Das Marmor übersteigt und Hertzen brennen macht

Denn offtmahls hat ein Bild ein grosses Feur gebracht.

Kan dieses die

So wird das rechte Bild bald unser Bande lachen.

Die Augen werden seyn zwey Lichter voller Feur

Ein Flammen-reicher Ort ein blitzend Ungehenr;

Die Brüste werden an den Feuer-Bergen siegen

Worinn

Und fehlt hier schon der Geist heist es ein todtes Bild

So ist doch diese Pracht in kein Gedicht verhüllt:

Denn das

Und einer schönen Stadt ist es znm Schmuck gegeben.

Kan man schon ihre Pracht und Schönheit nicht besehn

Dieweil es Glück und Zeit allhter nicht läst geschehn

So will ich doch dis Bild mit höchster Demuth grüssen

Und wie ein Heiligthum in dem Behältniß küssen.