Gedancken über den Streit der Seele und Wollust des N. der von seiner Maitresse ...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Du must lieben

Aber ach du weist nicht wie?

Tausend Foltern und Betrüben

Fliehen deine Seele nie.

Daß sie so verflucht und hasset

Was sie in ihr innres fasset.

Du must ehren

Was die Welt unehrlich heißt

Ehrbegierig ach und hören

Daß dein Hermeliner Geist

Wenn er sich zu ihr geleget

Sich in Schlamm der Unzucht träget.

Du wilst freyen

Die so viele Männer kennt

Die der rechte welch bereuen

Seine Hölle hat genennt.

Sonst das Paradieß auf Erden

Soll dein Fege-Feuer werden.

Du must küssen

Aber nur aus Raserey

Und von der Tarantul bissen

Wird Vernunfft und Hertz nicht frey

Biß die Wollust aufgespielet

Und du in dem Schlamm gewühlet.

Solst du lieben

Ach so sey durch lauter Huld

Dir nicht weiter vorgeschrieben

Himmel was mit Ungedult

Du vor eine Lust erkennest

Und doch einen Abschen nennest.

Drum ihr Seelen

Flieht wo Wollust aufgedeckt.

Die den Köder einmabl wehlen

Welcher Anfangs lieblich schmeckt

Werden Fischen gleich gefangen

Und daran auf ewig hangen.