Gedancken über den Streit der Seele und Wollust des N. der von seiner Maitresse ...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Du must lieben
Aber ach du weist nicht wie?
Tausend Foltern und Betrüben
Fliehen deine Seele nie.
Daß sie so verflucht und hasset
Was sie in ihr innres fasset.
Du must ehren
Was die Welt unehrlich heißt
Ehrbegierig ach und hören
Daß dein Hermeliner Geist
Wenn er sich zu ihr geleget
Sich in Schlamm der Unzucht träget.
Du wilst freyen
Die so viele Männer kennt
Die der rechte welch bereuen
Seine Hölle hat genennt.
Sonst das Paradieß auf Erden
Soll dein Fege-Feuer werden.
Du must küssen
Aber nur aus Raserey
Und von der Tarantul bissen
Wird Vernunfft und Hertz nicht frey
Biß die Wollust aufgespielet
Und du in dem Schlamm gewühlet.
Solst du lieben
Ach so sey durch lauter Huld
Dir nicht weiter vorgeschrieben
Himmel was mit Ungedult
Du vor eine Lust erkennest
Und doch einen Abschen nennest.
Drum ihr Seelen
Flieht wo Wollust aufgedeckt.
Die den Köder einmabl wehlen
Welcher Anfangs lieblich schmeckt
Werden Fischen gleich gefangen
Und daran auf ewig hangen.