Gedancken über die eitelkeit

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Was ist dis thun so dein gemüthe liebet?

Dem liebe sich so leichtlich übergiebet?

Ein weisser koth der farb und masque trägt

Den ieder wind der eitelkeit bewegt

Den mehr dein gold als deine bitte lencket

Der sinnen-koth um andern koth verschencket.

Die stirne so dein freuden-spiegel ist

Bleibt schlüpffrig eiß; und so du das erkiest

So wird dein fuß mit deiner freyheit fallen.

Die stimme so du stündlich hör'st erschallen

Ist dieser gleich so die Sirene bringt

Und tödten kan wie süsse sie auch klingt.

Die küsse so du von den lippen stiehlest

Die stehlen dich wie wenig du es fühlest;

Ja lieb' ist wohl mehr knecht als frey zu seyn.

Der wangen pracht der klaren augen schein

Wird itzt ein blitz der dich zu boden schläget

Und mehr als todt ins grab der wollust träget.

Wie sehr dein mund die stoltze brust verehrt

Und leichten schein mit leichten worten nährt

So wird dir doch noch die erfahrung sagen:

Wie diese brust hat böse brunst getragen.

Und solcher schmuck wie schöne er auch steh't

Mit faulen hin zu seinem grabe geht.

Drum richte leib und seele wieder auff

Laß der vernunfft den vormahls freyen lauff;

Halt an das fleisch erläutere die sinnen

So wirstu rein und weißlich leben können.