Gedancken über die Liebe zum Müßig-gange

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wer sich ernähren kan und dennoch sich beschwert

Daß ihn die Armuth drückt der ist der Peitsche wehrt.

So muß ich mir den Text nun selber lesen.

Gott hat mir zwar ein Pfund verliehn

Daraus ich können Nutzen ziehn;

Doch bin ich sein nicht immer wehrt gewesen.

Auf Wucher hab ich es so offt nicht ausgethan

Als man wohl kan.

Die Arbeit war erst mein Vergnügen:

Doch blieb sie wieder liegen

Und stanck mich an.

Gantz nichts zu thun war mir nicht wohl gegeben.

Drum nahm ich lauter Dinge vor

Als lebt ich bloß zum Zeit-Vertreib zu leben

Um nichts zu thun in dem ich doch was thate.

Wer war wohl hier ein Thor?

Ich in Original.

Und wenn ich denn biß auf die Nähte kahl

Und mich mein eigen Elend bate

Die Arbeit zu ergreifen

So dacht ich ihr zu pfeifen;

Allein sie hörte nicht.

Ich reckte mich die Quer und in die Länge.

Denn grif ichs an denn schmiß ichs wieder hin.

Das Hauß war mir zu enge.

Heut will ich noch zu guten Freunden gehn

So dacht ich denn und morgen früh aufstehn

Denn weiß ich daß ich fleißig bin.

Der Tag der zwantzig mahl gekommen

Hat gleichwohl nicht das Gold des Morgens mitgenommen.

Weil wenn Aurora früh auf ihren Wagen steigt

Sie Musen Weißheits Gold in ihrem Munde zeigt.

Inzwischen da die Armuth mich

Wie ein Gewapneter wolt' überfallen

Da klaute denn der Müßiggänger sich

Und ließ ein Klage-Lied erschallen:

Die Zeiten wären schlecht die Weißheit sey gedrückt.

Da er sein eigen Creutz sich selber zugeschickt.

Es klopfte niemand an die Thür

So dacht er gleich ein Mahner ist dafür.

Was war zu thun? hier half kein Grämen

Der Faule muste sich bequemen

Mit doppelt schwerer Pein

Und steter Arbeit dran zu seyn

Daß er der Schulden sich erwehrte

Und sich nach Nothdurfft nehrte.

Die Lehre hier mein Freund die deine Seele faßt

Ist gut wenn du sie nicht wie ich von nöthen hast.