Gedancken über die Liebe zum Müßig-gange
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Wer sich ernähren kan und dennoch sich beschwert
Daß ihn die Armuth drückt der ist der Peitsche wehrt.
So muß ich mir den Text nun selber lesen.
Gott hat mir zwar ein Pfund verliehn
Daraus ich können Nutzen ziehn;
Doch bin ich sein nicht immer wehrt gewesen.
Auf Wucher hab ich es so offt nicht ausgethan
Als man wohl kan.
Die Arbeit war erst mein Vergnügen:
Doch blieb sie wieder liegen
Und stanck mich an.
Gantz nichts zu thun war mir nicht wohl gegeben.
Drum nahm ich lauter Dinge vor
Als lebt ich bloß zum Zeit-Vertreib zu leben
Um nichts zu thun in dem ich doch was thate.
Wer war wohl hier ein Thor?
Ich in Original.
Und wenn ich denn biß auf die Nähte kahl
Und mich mein eigen Elend bate
Die Arbeit zu ergreifen
So dacht ich ihr zu pfeifen;
Allein sie hörte nicht.
Ich reckte mich die Quer und in die Länge.
Denn grif ichs an denn schmiß ichs wieder hin.
Das Hauß war mir zu enge.
Heut will ich noch zu guten Freunden gehn
So dacht ich denn und morgen früh aufstehn
Denn weiß ich daß ich fleißig bin.
Der Tag der zwantzig mahl gekommen
Hat gleichwohl nicht das Gold des Morgens mitgenommen.
Weil wenn Aurora früh auf ihren Wagen steigt
Sie Musen Weißheits Gold in ihrem Munde zeigt.
Inzwischen da die Armuth mich
Wie ein Gewapneter wolt' überfallen
Da klaute denn der Müßiggänger sich
Und ließ ein Klage-Lied erschallen:
Die Zeiten wären schlecht die Weißheit sey gedrückt.
Da er sein eigen Creutz sich selber zugeschickt.
Es klopfte niemand an die Thür
So dacht er gleich ein Mahner ist dafür.
Was war zu thun? hier half kein Grämen
Der Faule muste sich bequemen
Mit doppelt schwerer Pein
Und steter Arbeit dran zu seyn
Daß er der Schulden sich erwehrte
Und sich nach Nothdurfft nehrte.
Die Lehre hier mein Freund die deine Seele faßt
Ist gut wenn du sie nicht wie ich von nöthen hast.