Gedancken über die schöne Dorimene zu Juliopolis.
Dorimene eures gleichen
Findet man gar keine hier
Wie die Sterne müssen weichen
Wenn die Sonne steigt herfür
So stirbt auch der andern Schimmer
Die noch etwas schöne sind
Wenn bey diesen Frauen-Zimmer
Man euch
Wer euch einen Menschen nennet
Keinen Witz im Haupte führt
Weil er keinen Engel kennet
Den des Himmels-Schmuck beziert
Was die Götter an sich haben
Und was über irrdisch heißt
Findet man nebst tausend Gaben
An dem tugendhafftem Geist.
Wie die güldne Sonne blendet
Wenn man starre in sie sieht
So eur Glantz die Freyheit endet
Und die Hertzen nach sich zieht
Daß einjeder muß gestehen
Daß ihr unvergleichlich seyd
Und wer euch nur kriegt zusehen
Rühmt dis Wunder dieser Zeit.
Wie die hohen
Jhr begrüntes Haupt empor
So giebt sich an allen dingen
Was erhobnes hier hervor
Die erhöhte
Ist der Ort wo Schönheit blitzt
Und eur witziges Gehirne
Ist der Thron wo
Eure schöne braunen Augen
Sind der Liebe Auffenthalt
Flammen muß man daraus saugen
Ist das Hertz gleich noch so kalt
Wenn ihr eure Strahlen schiesset
So zündt sich ein
Daß das wie ein Wachs zerfliesset
Was sonst Eisen trotzen kan.
Stahl und Felsen harte Hertzen
Macht eur holder Blick gleich weich
Doch empfindt man keine Schmertzen
Den er ist dem Blitze gleich.
Wenn man nur von ferue schauet
Eurer Augen Wunder-Licht
Wird ein Tempel ihm gebauet
Und ein Altar aufgericht.
Jedermann seyd ihr beliebet
Weil die schönsten Sachen braun
Brauner Wolcken Schönheit giebet
Daß die Sterne klar zu schaun.
Braune Nelcken sind die besten
Der Geruch mit
Und man den beliebten Gästen
Nur die schwartzen Kirschen weist.
Eure Tugend ist noch grösser
Die die Seele kostbahr macht
Als wie eure Schönheit besser
Denn der andern schönen Pracht
Wenn die andern einfach schöne
Seyd ihr tausend mahl so schön
Und vollkommne
Als ein Engel anzusehn.
Eur beliebtes Angesichte
Das mit holden Lächeln spielt
Gleicht dem hellen Sonnen Lichte
Wenns auf
Denn wie diese jenes preiset
Wenn die Strahlen auf sie gehn
So euch jeder himmlisch heisset
Den ihr würdigt an zu sehn.
Doch bey allen euren Blicken
Ist eur Hertze Eisen-hart
Und vor den gelegten Stricken
Eure Seele sich verwahrt
Daß die Keuschheit selbst ihr Wunder
An dem keuschen Wesen sieht
Weil der Wollust Liebes-Zunder
Nie in eurer Seelen glüht.