Gedancken über die schöne Dorimene zu Juliopolis.

By Johann Georg Gressel

Dorimene eures gleichen

Findet man gar keine hier

Wie die Sterne müssen weichen

Wenn die Sonne steigt herfür

So stirbt auch der andern Schimmer

Die noch etwas schöne sind

Wenn bey diesen Frauen-Zimmer

Man euch

Wer euch einen Menschen nennet

Keinen Witz im Haupte führt

Weil er keinen Engel kennet

Den des Himmels-Schmuck beziert

Was die Götter an sich haben

Und was über irrdisch heißt

Findet man nebst tausend Gaben

An dem tugendhafftem Geist.

Wie die güldne Sonne blendet

Wenn man starre in sie sieht

So eur Glantz die Freyheit endet

Und die Hertzen nach sich zieht

Daß einjeder muß gestehen

Daß ihr unvergleichlich seyd

Und wer euch nur kriegt zusehen

Rühmt dis Wunder dieser Zeit.

Wie die hohen

Jhr begrüntes Haupt empor

So giebt sich an allen dingen

Was erhobnes hier hervor

Die erhöhte

Ist der Ort wo Schönheit blitzt

Und eur witziges Gehirne

Ist der Thron wo

Eure schöne braunen Augen

Sind der Liebe Auffenthalt

Flammen muß man daraus saugen

Ist das Hertz gleich noch so kalt

Wenn ihr eure Strahlen schiesset

So zündt sich ein

Daß das wie ein Wachs zerfliesset

Was sonst Eisen trotzen kan.

Stahl und Felsen harte Hertzen

Macht eur holder Blick gleich weich

Doch empfindt man keine Schmertzen

Den er ist dem Blitze gleich.

Wenn man nur von ferue schauet

Eurer Augen Wunder-Licht

Wird ein Tempel ihm gebauet

Und ein Altar aufgericht.

Jedermann seyd ihr beliebet

Weil die schönsten Sachen braun

Brauner Wolcken Schönheit giebet

Daß die Sterne klar zu schaun.

Braune Nelcken sind die besten

Der Geruch mit

Und man den beliebten Gästen

Nur die schwartzen Kirschen weist.

Eure Tugend ist noch grösser

Die die Seele kostbahr macht

Als wie eure Schönheit besser

Denn der andern schönen Pracht

Wenn die andern einfach schöne

Seyd ihr tausend mahl so schön

Und vollkommne

Als ein Engel anzusehn.

Eur beliebtes Angesichte

Das mit holden Lächeln spielt

Gleicht dem hellen Sonnen Lichte

Wenns auf

Denn wie diese jenes preiset

Wenn die Strahlen auf sie gehn

So euch jeder himmlisch heisset

Den ihr würdigt an zu sehn.

Doch bey allen euren Blicken

Ist eur Hertze Eisen-hart

Und vor den gelegten Stricken

Eure Seele sich verwahrt

Daß die Keuschheit selbst ihr Wunder

An dem keuschen Wesen sieht

Weil der Wollust Liebes-Zunder

Nie in eurer Seelen glüht.