Gedancken über einen grossen Wind-Sturm und gesunckenen Berg
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Wo soll ich hin?
Der rauhe Sturm der ungeheuren Winde
Erregt das ungestüme Meer
Rauscht über das bestürzte Feld
Wirfft nieder was sich ihm entgegen stellt
Und streut mit Zweigen hin und her:
Hier liegt die Eiche dort die Linde
Hier kracht die Tanne dort die Buche
Es knackt und reist das feste Dach
Manch harter Stoß wiegt das Gemach
Darinn ich feste Zuflucht suche:
Wo ist ein Ort an dem ich sicher bin?
Wo soll ich hin?
Wo soll ich hin?
Ich schaue selbst der Hügel Haubt zerrissen
Der Boden sinckt wo Bäume stehn
Es schält sich von der Mutter Schooß
Die Schaar der schweren Steine loß
Man muß auff Ritz und Brüchen gehn.
Ein stiller Pfuhl entsteht für unsern Füssen
Die Berge rauchen Thürne zittern.
Hier fliegen Steine durch die Lufft
Dort spürt man eine neue Grufft
Gebäue prasseln Häuser splittern:
Wo ist ein Ort an dem ich sicher bin?
Wo soll ich hin?
Bleib Seele feste stehn
Sagt nicht der Herr dem Meer und Winde
Dem Erd und Himmel dienstbar seyn:
Entwerffen sich der Berge Gründe
Verfällt die hohe Spitz' ins Thal
Und brechen stoltze Hügel ein
Bedrohen dich die Flutten allzumahl
Genung ists daß ich mich in Gnaden zu dir finde
Last Erde beben Thürne falln und Winde streichen
Es soll doch meine Gunst und Treu nicht von dir weichen.
Der längst mit dir geschloßne Friedens-Bund
Hat ewig unverrückten Grund.
Bleib Seele feste stehn.