Gedanken bei den Obstfrüch- ten, welche unansehnlich sind, und doch schön schmek...
Der Dinge äuserlicher Schein,
Die Schalen sind es nicht allein,
Die bei den nuzbarlichen Sachen,
Die Güte und den Werth aus-
Die Früchte die von aussen schön,
Und herrlich, lieblich anzusehn,
Die können öfters, bei dem Schmekken,
Als herbe, Ekkel gnug erwekken.
Hingegen die so schroffig hart,
Sind öfters von recht mürber Art,
Mit einem solchen Safft erfüllet,
Der lieblich auf der Zunge quillet.
Ich merke hiebei dieses an,
Daß man dem Schein nicht trauen kan,
Beim Glanz der äuserlichen Schalen,
Fehlt ja der Kern zu vielenmahlen.
Die Menschen deren Angesicht,
Offt aussieht als ein trübes Licht,
Die offt ganz saur und mürrisch scheinen,
Sind lieblicher, als wie wir meinen.
Hingegen wo die Freundligkeit,
Vergnügte Blikke von sich streut,
Wo Anmut im Gesicht zu lesen,
Ist offt ein mürrisch saures Wesen.
Wer also nach den Schein urtheilt,
Der schliesset öfters übereilt:
Man muß erst eine Prob anstellen,
So kan man recht ein Urtheil fällen.