Gedanken bei der Vorstellung eines Egyptischen Tempels.
Es ist aus der Geschicht von langer Zeit bekandt,
Daß in Egypten sey der Gözzen Vater-
Und daß dies weise Volck, davon wir so viel le-
In der Religion ganz rasend toll gewesen.
Des Aberglaubens Schuz, der Priester grosses
Das machte immerfort der Götter Anzahl mehr;
Ein freßig Crocodill, ein Ochs mit bunten Flek-
Ward als ein
Was in den Gärten wuchs, ein stinkend Knobe-
Ein thränend Zwiebelein, und andre Kräuter
Die musten Götter seyn; Und vor der Gözzen
Ward fast das ganze Land, ob es gleich groß, zu
Des Aberglaubens Pracht ward auch daselbst zu
An Tempeln, welche sehr der Gözzen Werth erhöhn.
Man baute Häuser auf, worin die Götter wohnen
Aus prächtgen Marmorstein, die gleich den Königs
Ein Schimmerreiches Gold verdekte Maur und Wand,
Das innre Heiligthum ward köstlich überspannt
Mit Dekken die gestikt mit Perlen, Edelsteinen
Wer solche Tempel sah, der muste Wunder meinen.
Was vor ein grosser GOtt im Heiligsten verdekt,
Und in der Dunkelheit die Ehrfurcht bringt, verstekt:
Allein wer sich nur wagt, ins Heiligste zu gehen
Der wird nur Corcodil und Affen drinnen sehen;
Die in der Sacristei in finstren Loch verwahrt.
Es fiel mir dabei ein: So ist der Heuchler Art,
Jhr Aussenwerk ist schön, und ihr scheinheiligs We-
Giebt uns was sonderbahr und herrliches zu lesen:
Man meinet, daß sie recht des Geistes Tempel seyn:
Und in der That ist es ein übergüldter Schein.
Wenn man genau erforscht des Herzens wahre Triebe,
So ist ihr Göz ein Aff; ich mein die