Gedanken bei einem bebrütetem Ey.
Wo GOtt das Leben giebt, da giebt er Nahrung auch,
Versorgt die Kreatur; wenn sie
Der sie gebiehrt, verstekt: Wie solt er uns das
Da er der Vater ist, ohn Lebens Nahrung geben?
Das thut der Schöpfer nicht, der mächtig, gütig,
Wo er das Leben giebt, legt er die Nahrung bei.
Wir können dieses klar an denen Eyern sehen,
Woraus die junge Brut der Küchelein entstehen.
Seh ich ein Ey recht an, und was darinnen stekt,
So wird in meiner Seel Bewunderung erwekt:
Man kan nicht ohne Lust die Theile all erwegen,
Die sich in einem Ey, uns vor die Augen legen.
Ein gelber Dotter der recht in der Mitte liegt,
Ist an den Enden fest ins Weisse angefügt
Durch Bänder welche man, die Hagelknötchen
Und die verlieren sich, wo sich das Weiß ergeusset.
Ein doppelt Eyerweiß füllt denn die Schalen an,
Wie man im Augenblik mit Lust ansehen kan,
Wenn man sie nur zerbricht. Das eine ist verdün-
Das wenn die Schale bricht, wie milchicht Wasser
Das andre Weiß ist steif, am Dotter angeklebt,
Und durch die Knötchens fest und gleichsam durch-
Der Dotter und das Weiß sind zwiefach ganz um-
Von doppelt zarter Haut, worin sie sanfte schwe-
Und diese wiederum sind sicher, wohl verwahrt,
Durch eine dichte Schal, die rundlicht, fest und
Die harte Schale hängt an denen dünnen Häuten
Nur an dem Ende nicht, wo sich die Eyr ausbrei-
Woselbst ein kleines Loch mit Luft gefüllet bleibt,
Die Schale und die Haut ein wenig abwerts treibt.
Der Dotter faßt in sich der Früchte ersten Saa-
Den wir den Urstof sonst, die Urbildung benah-
Der wie ein weisser Ring an seiner Fläche fließt,
So lang das Ey noch frisch und unbebrütet ist.
Wenn es bebrütet wird; und sich der Ring aus-
So wird daraus die Frucht recht wunderbahr ge-
Das dünne Eyerweiß nährt solche Küchelein,
So lange sie annoch in denen Schalen seyn,
Es fließt die Röhren durch, die in dem Ey zu fin-
Und durch die Nabelschnur sich mit der Frucht
Die Luftgefüllte Höh wird durch die Wärm erregt,
Die denn den Nahrungssaft zur Flüßigkeit bewegt
Die Röhren offen hält, wodurch derselbe fliesset,
Wodurch er sich hernach selbst in die Frucht ergies-
Die Frucht wächst täglich mehr in ihrem Aufent-
Bis daß sie endlich kommt zur völligen Gestalt:
Dann bricht die Schal entzwei, und kaum ist sie
So kommt recht wunderbahr, die Frucht hervor ge-
Die ins Gedärme schließt, was von dem Dotter
Wie uns Malpighius
So weislich sorget
Daß er den Küchelein die Nahrung mitgegeben,
Damit sie sich zuerst nach der Gebuhrt ernährn,
Wenn sie die Welt erblikt, die mehrers kan beschern.
Bedenket Menschen doch wie
Es giebt euch dies so gar ein kleines Ey zu lesen!
Wie wunderbahr ist nicht der Allmacht Händewerk,
Nehmt dies an einem Ey zu euren Augenmerk,
Und lernet auch hieran: wer solche wird betrachten
Der muß sie herrlich, schön, der muß sie kostbar
Lernt seine Vorsehung die auf die Thiere sieht,
Die wunderbahr sie schaft, aus ihrem Kerker zieht,
Die wird euch nimmermehr so ganz verlassen kön-
So lang er Vater ist, wir Kinder sind zu nennen.