Gedanken bei Erwegung der Streitigkeiten über den Ursprung des Bösen.

By Johann Justus Ebeling

Das Böse ist ein Gifft, dadurch der Mensch verderbt

Und einer Seuche gleich, die uns

Woher das Uebel sich in Geist

Aus welcher Quelle es, in un-

Darüber streitet man in der gelehrten Welt,

Die sich als wie in Krieg, Partheienweis gestellt;

Und dieser Federkrieg von Ursprung alles Bösen,

Wird darum nur geführt, die Knoten aufzulösen,

Die scharffer Aberwiz aus Spötterei geknüpft,

Der wie ein Diestelfink von dies auf jenes hüpft.

Allein wie thörigt ists um solche Dinge streiten,

Die nicht aus der Vernunfft alleine herzuleiten?

Wir sind dem Kranken gleich, die matt und elend

Der Wille ist verkehrt, und der Verstand ist blind,

Das böse Sünden-Gifft hat unser Fleisch durch-

Und der Begierden Heer hat den Verstand bezwun-

Dies muß ein jeglicher, wer sich wird selbst besehn,

Als einen Saz der klar, unleugbar, eingestehn:

Es ist den Aerzten gleich, sie brauchens nicht zu

Wenn einer der da krank, von einer Schlang ge-

Ob diese Schlagen-Art die jenes Leib entflammt,

Etwan aus Asien, aus Africa herstammt:

Wenn sie im Streit erhizt; so wird im Disputiren,

Der Kranke drüber nur das Leben gar verliehren:

Viel besser aber ist, daß sie darauf bedacht,

Wie dieses heisse Gifft werd aus dem Leib gebracht;

Und was der Kranke muß bei der Entzündung

Damit der gifftge Dunst ohn Schaden könn ver-

Die Weisen dieser Welt sind denen Aerzten gleich,

Aus eitler Wisbegier an vielen Fragen reich:

O! möchten sie sich nur mit allen Ernst bemühen,

Um Mittel, dadurch wir der Sünden Qual ent-

O! wären sie nur drauf mit allen Ernst bedacht,

Wie was verdorben ist, würd wieder gut gemacht;

Was hilft es nur allein die Dinge wissen wollen,

Die wir nach

So thörigt ist der Wiz der armen Menschligkeit,

Die eitle Wisbegier erreget manchen Streit:

Die sich ums Wissen blos, nicht um das Thun

Die bessern warlich nicht, sie wollen nur verschlim-