Gedanken bey einer im Februario blühenden Schonkilje.
Liebster Gott! kanns möglich seyn! kann der Winter nicht ein- mal
Der Natur Formirungskraft, auch bey fernem Sonnenstral,
Auch zur allerrauhsten Zeit, mitten im December, tilgen!
Also rief ich, als ich jüngst zärtlich blühende Schonkiljen,
Ohne Kunst, in meinem Garten, aus der Erde steigen sah.
Wie ich ihren unverhofften lieblich-gelben Glanz erblickte;
Wie ich sie, mit frohen Händen, um sie aufzuheben, pflückte:
Waren mir, ob ihrer Schönheit, fast die Freudenthränen nah.
Ich vermochte, wie ich sie so vollkommen fand, so schön,
Wie sie so vortrefflich roch, mich daran nicht satt zu sehn,
Mich daran nicht satt zu riechen. Meine Seele lenkte sich,
Durch den unvermutheten nie gesehnen Glanz gerühret,
Zu der Blum und meinem Schöpfer; dankt und lobt ihn inniglich,
Daß er, zu der Menschen Anmuth, ein so schön Gewächs for-
Daß er, da zur Sommerszeit, leider! durch derselben Menge,
Wir, zur Unempfindlichkeit uns unglücklich bringen lassen,
Uns zu ungewohnter Zeit, (so daß wir die Art nicht fassen)
Durch derselben süssen Balsam, durch ihr schimmerndes Ge-
Ausserordentlich vergnügt. Herr! wenn ich an dieser Gabe,
Durch dieselbe, durchs Gesicht, und durch den Geruch, mich labe:
Laß dieß liebliche Geschöpf mich zu dir, als Schöpfer, führen;
Laß mich ein, in dir gegründet, irdisches Vergnügen spüren!