Gedanken über das Blut bei dem Aderlassen.

By Johann Justus Ebeling

Flies hin geliebtes Blut, du Schaum

von meinen Leben,

Doch denk ich dies dabei, wie

du von GOtt gegeben,

Daß du sehr edel bist, und als

ein rother Safft,

Des Lebens Lauf erhältst, durch

deine Wallungs Krafft.

Dich hab ich bis daher in Speisen eingegessen,

Du must, als weisse Milch, dich durch die Leber

pressen.

Die hat dich roth gefärbt auf deiner Wallung Spur:

O! grosses Wunderwerk der würkenden Natur,

Es ist kein Tropfen Blut, in meiner Adern Gängen

Es muß sich durch das Hertz, als Mittelpuncte

drengen

Ach ginge dies ans Hertz! ach! dächte ich daran,

Daß keiner ohne Blut von Menschen leben kan,

Daß keiner ohne Blut aus unsers Heilands Wunden,

Das wahre Leben hat in jener Welt gefunden.

Du solt das Denkbild sein, woran mir fället bei,

Daß auch der Mensch hierin, die Welt im Kleinen sei,

Und daß dies Perlen Naß das in dem Adern schleichet,

Auch Seen, Flüß und Meer auf unsrer Erde gleichet:

Hie schlägt bald Wind und Sturm die Wellen in

die Höh,

Das Blut bewegt der Zorn, die Lust, die Furcht,

das Weh,

Mit vollen Ungestüm der aufgeschäumten Wellen,

Die an ein steinern Hertz, als an ein Ufer schwellen

Wer ist der diesen Trieb der Neigung stillen kan?

Mein JEsus du allein bist hier ein Wundermann

Dem Wind und Meer gehorcht. Drum wenn mein

Blut sich reget,

So sei du der die Wuth in meinen Adern leget.