Gedanken über das Blut bei dem Aderlassen.
Flies hin geliebtes Blut, du Schaum
von meinen Leben,
Doch denk ich dies dabei, wie
du von GOtt gegeben,
Daß du sehr edel bist, und als
ein rother Safft,
Des Lebens Lauf erhältst, durch
deine Wallungs Krafft.
Dich hab ich bis daher in Speisen eingegessen,
Du must, als weisse Milch, dich durch die Leber
pressen.
Die hat dich roth gefärbt auf deiner Wallung Spur:
O! grosses Wunderwerk der würkenden Natur,
Es ist kein Tropfen Blut, in meiner Adern Gängen
Es muß sich durch das Hertz, als Mittelpuncte
drengen
Ach ginge dies ans Hertz! ach! dächte ich daran,
Daß keiner ohne Blut von Menschen leben kan,
Daß keiner ohne Blut aus unsers Heilands Wunden,
Das wahre Leben hat in jener Welt gefunden.
Du solt das Denkbild sein, woran mir fället bei,
Daß auch der Mensch hierin, die Welt im Kleinen sei,
Und daß dies Perlen Naß das in dem Adern schleichet,
Auch Seen, Flüß und Meer auf unsrer Erde gleichet:
Hie schlägt bald Wind und Sturm die Wellen in
die Höh,
Das Blut bewegt der Zorn, die Lust, die Furcht,
das Weh,
Mit vollen Ungestüm der aufgeschäumten Wellen,
Die an ein steinern Hertz, als an ein Ufer schwellen
Wer ist der diesen Trieb der Neigung stillen kan?
Mein JEsus du allein bist hier ein Wundermann
Dem Wind und Meer gehorcht. Drum wenn mein
Blut sich reget,
So sei du der die Wuth in meinen Adern leget.