Gedanken über ein faules und bei der Nachtzeit schei- nendes Holz.

By Johann Justus Ebeling

Ich sah von Ohngefehr, da schon die Dunkelheit,

Auf unsrer Erden-Fläch die Schat-

Jm Garten untern Busch, ein Ding das glühte

Ich wußt nicht, was es war; weil leicht die Sin-

Wenn man ins Dunkle sieht. Ich dachte nach dem

Müst es ein brennend Klump von feurgen Kohlen

Ich lief von Furcht gejagt, dies ungewohnte Bren-

Jm Busche anzusehn, genauer zu erkennen.

Ich ging, ich kam, ich sah, da war kein Feur

Weil ich nur faules Holz stat feurger Kohlen fand

Das zu der Nachtzeit scheint; als ich es recht er-

Fand ich, daß mich der Schein mit leeren Nichts

So geht es überall, es wird manch Ding der Welt,

Jm Traum der Einbildung, uns herrlich vorgestellt,

Wenn es mit falschen Schein, als wie mit Dunst

Wenn mans vernünftig sieht, ist es in Nichts zer-

Wie mancher Mensche ist, der sich in Schmuk und

Der Welt vor Augen stellt, und sich recht herrlich

Er glänzet wie die Sonn, und funkelt wie die

Doch nur, wenn unser Aug geblendet, durch die

Sehn wir ihn in der Näh; ist er ein faules Holz,

Der Glanz den er abstrahlt, ist nur ein eitler Stolz,

Von aussen güldner Schmuk von innen faule Kno-

Die wie ein mürbes Holz gar leicht zermalmt, zer-

Das faule Holz mahlt schön ein übertünchtes Grab,

Und einen Heuchel-Christ, mit seinen Wandel ab.

Ein Schein-Christ brennt gleichsam, von lauter heil-

Die ohne Feur und Kraft, aus kalten Herzen

Er glänzt von aussen schön, ist eifrig im Gebet,

Wenn er zu seinem

Der Andacht äusrer Schein, der strahlt aus sei-

Doch ohne inre Glut. Will er dem Höchsten dienen,

So dienet er sich selbst, und legt auf dem Altar,

Zu seinen eignen Ruhm, der Falschheit Opfer dar.

Er ist in Worten heiß, und friert in seinen Wer-

Er hasset jederman; doch läst er sichs nicht merken.

Wenn man von Ferne ihn, in seiner Andacht sieht:

So brennt er lichter Loh, als wie ein Feur, das

So ist er Mose gleich, des Angesicht gestrahlet,

Doch nur auf solche Art, wie ihn der Mahler

Der Heiland sagt mit Recht: wer gute Früchte hegt,

Der ist ein guter Baum; wer aber keine trägt

Ist einem faulen gleich. Wer einen Heuchler nen-

Der nennt ein Holz das scheint, und in der That