Gedanken über ein fliegend Würmchen Ephemeris .

By Johann Justus Ebeling

Ein fliegend Würmchen, das Ephemeris

genant,

Ist uns aus der Geschicht des Thier-

reichs gnug bekant;

Weil es denselben Tag, woran es erst

entstehet,

Auch wiederum verstirbt und schleunig untergehet.

Ich wunderte mich drob, daß der Geburts Tag

auch,

Sein Todestag schon sei, und daß sein Lebenshauch

Der doch vor kurzer Frist, sich erstlich angefangen,

Auf

gangen.

Doch fiel mir dabei ein; wie mancher Mensch er-

blaßt

Wenn er dem Othem kaum, zum Leben aufgefaßt!

Ja! als ich weiter noch, der Menschen Ziel be-

dachte,

Und Zeit und Ewigkeit in ein Verhältnis brachte:

So sah ich, daß man sich nicht drob verwundern

kann,

Beim Leben fängt sich schon, der Menschen Ster-

ben an:

Wenn er gebohren wird, das ist des Lebens Morgen,

Wird sein erblaßter Leib, ins dunkle Grab ver-

borgen;

So ist der Abend da. Die ganze Lebens Zeit,

Daurt sie gleich noch so lang, ist doch ein flüchtig

Heut.

Doch dieser Umstand macht, bei unsern schnell Er-

bleichen,

Daß das Ephemeris, mit uns nicht zu vergleichen.

Sein Leben, ist sein Todt; der Anfang ist der

Schluß:

Da erst auf unsern Todt, das Leben folgen muß;

Bei unsern End muß sich zu einen ewgen Leben,

Ein Anfang ohne End, in Ewigkeit anheben.