Gedanken über ein fliegend Würmchen Ephemeris .
Ein fliegend Würmchen, das Ephemeris
genant,
Ist uns aus der Geschicht des Thier-
reichs gnug bekant;
Weil es denselben Tag, woran es erst
entstehet,
Auch wiederum verstirbt und schleunig untergehet.
Ich wunderte mich drob, daß der Geburts Tag
auch,
Sein Todestag schon sei, und daß sein Lebenshauch
Der doch vor kurzer Frist, sich erstlich angefangen,
Auf
gangen.
Doch fiel mir dabei ein; wie mancher Mensch er-
blaßt
Wenn er dem Othem kaum, zum Leben aufgefaßt!
Ja! als ich weiter noch, der Menschen Ziel be-
dachte,
Und Zeit und Ewigkeit in ein Verhältnis brachte:
So sah ich, daß man sich nicht drob verwundern
kann,
Beim Leben fängt sich schon, der Menschen Ster-
ben an:
Wenn er gebohren wird, das ist des Lebens Morgen,
Wird sein erblaßter Leib, ins dunkle Grab ver-
borgen;
So ist der Abend da. Die ganze Lebens Zeit,
Daurt sie gleich noch so lang, ist doch ein flüchtig
Heut.
Doch dieser Umstand macht, bei unsern schnell Er-
bleichen,
Daß das Ephemeris, mit uns nicht zu vergleichen.
Sein Leben, ist sein Todt; der Anfang ist der
Schluß:
Da erst auf unsern Todt, das Leben folgen muß;
Bei unsern End muß sich zu einen ewgen Leben,
Ein Anfang ohne End, in Ewigkeit anheben.