Gedanken über mein Getrayde.

By Barthold Heinrich Brockes

Ich kann jetzt nicht nur mit Freuden,

So wie vor, mein Auge weiden

An der Felder Schmuck und Pracht,

Und darinn die weise Macht

Deß, Der sie hervorgebracht,

Loben, rühmen und erheben;

Sondern GOtt hat mir gegeben

Zu der allgemeinen Gabe,

Daß ich (Jhm sey Dank dafür)

Von derselben holden Zier

Auch die Frucht zu hoffen habe.

Welches, da es GOtt beschehrt,

Dank und Freude noch vermehrt,

Die ich GOtt in beyden zolle,

Mit dazu gefügtem Flehn,

Daß Er’s ferner wohl ergehn

Und gerahten lassen wolle!

Da das liebe Korn zumahl

So vortrefflich steht; so lenke

Sich der Sonnen Lebens-Strahl

Ferner auf mein Feld! Es tränke

Den mir hier gezeigten Segen

Oefters ein erwünschter Regen

Voller fetten Fruchtbarkeit!

Laß gelinde Winde wehen!

Laß mich es zu rechter Zeit

In die Scheuren fahren sehen!

Laß mich deine Huld ermessen!

Laß es mir zum Nutz erspriessen,

Und, wenn wirs mit Lust geniessen,

Ja des Dankens nicht vergessen!