Geduld ist euch vonnöten

By Paul Gerhardt

Written 1641-01-01 - 1641-01-01

Geduld ist euch vonnöten,

Wann Sorge, Gram und Leid

Und was euch mehr will töten,

Euch in das Herze schneidt,

O auserwählte Zahl!

Soll euch kein Tod nicht töten,

Ist euch Geduld vonnöten:

Das sag ich noch einmal.

Geduld ist Fleisch und Blute

Ein herbes, bittres Kraut;

Wenn unsers Kreuzes Rute

Uns nur ein wenig draut,

Erschrickt der zarte Sinn.

Im Glück ist er verwegen,

Kommt aber Sturm und Regen,

Fällt Herz und Mut dahin.

Geduld ist schwer zu leiden,

Dieweil wir irdisch seind

Und nur in lautern Freuden

Bei Gott zu sein vermeint.

Der doch sich klar erklärt:

Ich strafe, die ich liebe,

Und die ich hoch betrübe,

Die halt ich hoch und wert.

Geduld ist Gottes Gabe

Und seines Geistes Gut,

Der zeucht und löst uns abe,

Sobald er in uns ruht,

Der edle werte Gast,

Erlöst uns von dem Zagen

Und hilft uns treulich tragen

Die große Bürd und Last.

Geduld kommt aus dem Glauben

Und hängt an Gottes Wort;

Das läßt sie ihr nicht rauben,

Das ist ihr Heil und Hort,

Das ist ihr hoher Wall,

Da hält sie sich verborgen,

Läßt Gott den Vater sorgen

Und fürchtet keinen Fall.

Geduld setzt ihr Vertrauen

Auf Christi Tod und Schmerz,

Macht Satan ihr ein Grauen,

So faßt sie hier ein Herz

Und spricht: Zürn immerhin,

Du wirst mich doch nicht fressen,

Ich bin zu hoch gesessen,

Weil ich in Christo bin!

Geduld ist wohl zufrieden

Mit Gottes weisem Rat,

Läßt sich nicht leicht ermüden

Durch Aufschub seiner Gnad,

Hält frisch und fröhlich aus,

Läßt sich getrost beschweren

Und denkt: Wer wills ihm wehren?

Ist er doch Herr im Haus.

Geduld kann lange warten,

Vertreibt die lange Weil

In Gottes schönem Garten,

Durchsucht zu ihrem Heil

Das Paradies der Schrift

Und schützt sich früh und späte

Mit eifrigem Gebete

Vor Satans List und Gift.

Geduld tut Gottes Willen,

Erfüllet sein Gebot

Und weiß sich wohl zu stillen

In aller Feinde Spott.

Es lache, wems beliebt:

Wird sie doch nicht zu schanden,

Es ist bei ihr vorhanden

Ein Herz, das nichts drauf gibt.

Geduld dient Gott zu Ehren

Und läßt sich nimmermehr

Von seiner Liebe kehren;

Und schlüg er noch so sehr,

So ist sie doch bedacht,

Sein heilge Hand zu loben,

Spricht: Der im Himmel droben

Hat alles wohl gemacht.

Geduld erhält das Leben,

Vermehrt der Jahre Zahl,

Vertreibt und dämpft darneben

Manch Angst und Herzensqual;

Ist wie ein schönes Licht,

Davon, wer an ihr hanget,

Mit Gottes Hilf erlanget

Ein fröhlichs Angesicht.

Geduld macht große Freude,

Bringt aus dem Himmelsthron

Ein schönes Halsgeschmeide,

Dem Haupt ein edle Kron

Und königlichen Hut;

Stillt die betrübten Tränen

Und füllt das heiße Sehnen

Mit rechtem guten Gut.

Geduld ist mein Verlangen

Und meines Herzens Lust,

Nach der ich oft gegangen:

Das ist dir wohl bewußt,

Herr voller Gnad und Huld,

Ach, gib mir und gewähre

Mein Bitten! Ich begehre

Nichts andres als Geduld.

Geduld ist meine Bitte,

Die ich sehr oft und viel

Aus dieser Leibeshütte

Zu dir, Herr, schicken will.

Kommt dann der letzte Zug,

So gib durch deine Hände

Auch ein geduldigs Ende!

So hab ich alles gnug.