Gegenliebe

By Gottfried August Bürger

Written 1774-01-01 - 1774-01-01

Wüßt' ich, wüßt' ich, daß du mich

Lieb und wert ein bißchen hieltest,

Und von dem, was ich für dich,

Nur ein Hundertteilchen fühltest;

Daß dein Dank hübsch meinem Gruß'

Halben Wegs entgegen käme,

Und dein Mund den Wechselkuß

Gerne gäb' und wiedernähme:

Dann, o Himmel, außer sich,

Würde ganz mein Herz zerlodern!

Leib und Leben könnt' ich dich

Nicht vergebens lassen fodern! –

Gegengunst erhöhet Gunst,

Liebe nähret Gegenliebe,

Und entflammt zur Feuersbrunst,

Was ein Aschenfünkchen bliebe.