Gegenwart des Guten.
Wie wir, wann wir Aurora Rosen-Licht
Nicht mehr am Firmamente sehen,
Selbst in Aurora Farben stehen,
Merckt es gleich unser Auge nicht;
Und wie wir in den Abend-Stunden
Das Abend-Roth nicht eh’ empfunden,
Als bis es sich von uns entfernet, und vergeht;
So mercken wir das Glück, das GOTT uns gönnet,
In ferner Hoffnung nur, auch wann sichs von uns trennet;
Nur dann am wenigsten, wanns uns am nächsten steht.
Ach liebste Menschen, lernet! lernet
Das gegenwärtge Glück erkennen;
Nicht, wann es noch nicht da! nicht erst, wann sichs ent-
Und nicht in Furcht und Hoffnung nur allein,
Nein dann, wann ihr es seyd, vergnügt zu seyn!
So dürftet ihr vielleicht, in wol empfundnen Freuden,
Aus blosser Danckbarkeit, die Laster meiden.