Geistlich Gespräch/ Zwischen Mutter und Kindt,Warin das wahre Christenthumb best...

By Anna Ovena Hoyers

Written 1617-01-01 - 1617-01-01

Mvtter ich hör offt von euch sagen

Man soll sich gantz der Welt entschlagen

Vnd nit nach eiteln dingen fragen

Sondern der tugend stets nachjagen.

Ist recht mein Kind nim diß in acht

Vnd meine Wort bey dir betracht.

Ja liebe Mutter ich begehr

Zu folgen ewer guten Lehr

Sagt aber wo ich tugend find.

Im Leben Iesu, liebes kindt:

Iesu Leben ist tugend voll

Darin man sich stets üben soll.

Gern will ich mich darin begeben

Wie komm ich aber zu dem leben?

Den Creutzweg liebes kind must gehn

Darin wirstu sein leben sehn.

Hertzliebe Mutter sagt mir dann

Wie mach ichs doch? Wie fang ichs an.

Wo find ich diesen weg doch best?

Kindt wann du deinen willen lest

Suchst nicht dein eigen Nutz und Ehr

Vnd liebst dich selbst auch nicht zu sehr

Sondern folgest dem Herrn schlecht

So gehst den Weg des Lebens recht

Zur tugend ist kein ander straß

Alß Gottes lieb und eigen haß.

Mutter ewr red ich wol versteh

Aber das thut dem Fleische weh.

Ja Kindt du must gedencken dran

Es hat dem Herrn auch weh gethan

Alß Er den Weg dir hat bereit

Einzugehn in die Herligkeit;

Wapne dich mit demselbign Sinn

Vnd folg ihm trewlich nach hirinn.

O Mutter ich bin viel zu schwach

Dem Herrn Iesu zu folgen nach.

Kindt sey nicht zaghafft zu dem werck

Der Herr Iesus wird sein dein sterck

Er will was du nicht kanst erfüllen

Behalt du nur den guten willen

Folg ihm mannlich im guten lauff

Sein krafft hilfft deiner schwacheit auf

Es ist sein werck mein kindt nicht dein

Menschliche krefft sind viel zu klein.

Mutter das ist auch meine klag

Befind es bey mir alle Tag

Offt ich den guten willen hab

Fang an, fall doch bald wieder ab

Vnd werd zum guten träg und laß

Sagt Mutter woher kompt doch das?

Kindt das ist unser schwacheit schult

Damit hat Gott der Herr gedult

Wann man den fürsatz nur behelt

Vnd nicht bleibt ligen wann man felt

So wil Gott allzeit helffen gern

Durch sein krafft unser stärck vermehrn

Es ist und bleibt allzeit getrew

Hab du nur hertzlich leit und rew

Vnd steh vom fall bald wieder auf

Bitt Gott umb sterck im guten lauf

Dann durchs Gebett man viel außricht

Sanct Iacob der Apostel spricht:

Darum beth fleißig alle tag

Vnd wann du fallst ja nicht vertzag

Erheb dich wieder im gemüth

Vertraw fest Gottes lieb und güth

Vnd lern fürsichtig sein hernach

Alßdann der fall nicht schaden mag.

Ja Gott lob ich hab rew und leid

Im hertzen schmertz und traurigkeit

Wegen meiner schwacheit und Sünd

Die ich täglich bey mir befind.

Begehr mich aufzurichten wieder

Wann ich gefallen bin danieder

Hab auch den fürsatz fest zustehn

Denn bösen nicht mehr nachzugehn

Ich bitt auch Gott umb gnad allzeit

Vnd meid die Sund nach mügligkeit:

Noch dennoch nicht mein bessrung ist

So groß alß mein Will jederfrist

Am wollen ich kein mangel spür.

Mein kind das hör ich gern von dir:

Zweiffel nicht an der hülff des Herrn

Er wird dich deiner bitt gewehrn.

Vertraw nur ihm in allen dingen

Sein ist das Wollen und Vollbringen.

Der nun in dir durch seine gnad

Das gut Werck angefangen hat

Wird es auch krefftig vollenführen

Harr seiner hülff du wirst es spühren:

Dann wan Gott will so wirds gut werden

Bitt daß sein Will gescheh auff Erden.

Dein gang sey langsam oder schnell

Solches dem lieben Gott heimstell:

Wenn du nur immer furter gehst

Vnd nimmer still im guthen stehst

So kompstu wol fort mit der zeit.

Beharr nur in bestendigkeit.

Mutter ihr macht mir einen Muht

Gott helff mir fort mein will ist guht

Aber hertz-Mutter eins hab ich

Im hertzen daß noch krencket mich

Wann ich gedenck daran alßdann

Ich mich nicht recht wol trösten kan.

Mein liebes kind sag ohn bedencken

Was ist es doch das dich thut krencken?

Ja Mutter ich wills euch anzeigen

Vnd mein betrübnüß nicht verschweigen

Diß ist es das mich krenckt so sehr

Weil ich von meiner kindtheit her

Mein zeit so übel zugebracht

Die Welt viel mehr als Gott geacht

Vnd viel Sünd hab auff mich geladen

Weiß ich nicht ob ich bin in gnaden

Dann weil ich schändtlich hab gelebt

Muhtwillig wieder Gott gestrebt

Kan mir kein Mensch zusagen frey

Das ich bey Gott in gnaden sey

Vnd kan ich auch nicht wissen eben

Ob mir sind alle Sünd vergeben

Weiß nicht was Gott will von mir machen

Weil ich so offt in guten sachen

Wanckel und unbestendig bin

Vnd so gar leichtlich fall dahin

Auch leider weinig bessrung spür

Die schwacheit ist zu groß bey mir

O wie rewt mich die Edle zeit

Die hin ist gangn in Eitelkeit

In welcher ich viel schöner gaben

Vom lieben Gott hab mügen haben

Wann ich diß alls zu hertzen nem

Ich mich zu Tod bald grem und schem

Möcht ich nur innerlich empfinden

Die Vergebunge meiner Sünden

Vnd Gottes gnad versichert sein

So wehr ich frey von dieser pein

Aber hie mangelts leider mir.

Kindt was hör ich für wort von dir?

Weist nicht das Gotts barmhertzigkeit

Den armen Sündern ist bereit?

Ist Christus doch auf Erden kommen

Hat unser schwacheit angenommen

Vnd will die Sünder selig machen

Vnd hülff beweisen allen schwachen

Die starcken darffen seiner nicht

Er selbst der Herr gar tröstlich spricht

So ist er iho auch kommen dir

Des frew dich und danck ihm dafür

Du bist ja einer von den schwachen

Darum laß dich gesundt auch machen

Dieser Artzt kan all schaden heilen

Vnd will auch allen hülff mittheilen

Komm zu ihm und laß dich verbinden

Vnd reinigen von deinen Sünden

Du fühlest iho derwegen pein

Vnd begehrst auch gesundt zu sein

Eil bald zu ihm in deinen schmertzen

Vnd lern demütig seyn von hertzen

Dann Er der Herr ist sehr sanfftmütig

Hertzlich demütig fromm und gütig

Folg ihm hierin nim auf sein joch

Wie lockt er dich so freundtlich doch

Veracht sein tröstlich zusag nicht

Die er in seinem Wort verspricht:

Kompt her zu mir er rufft und schreyt

Alle die ihr mühselig seyt

Vnd alle die ihr seyt beladen

Ich nem euch auff heil ewern schaden

Ich der Herr bin ewr Artzt allein

Kompt alle her beid groß und klein.

Das Wort kompt alle her zu mir

Nimm du mit an es gilt auch dir

Er will sie all auch dich erquicken

Lern dich in seine weiß recht schicken:

Sein joch ist sanfft sein last ist leicht

Alß solches uns sein Wort anzeigt

Dasselbig wol zu hertzen nimm

Gehorch und folg des Herren stimm

Vnd trag ihm willig nach dein Creutz

Drückt es dich schon gedüldig leids

Vnd ob du wol wirst offtmahls schwach

Davon dir kein gedancken mach

Viel mehr in schwacheit frölich sey

Dann Christus steht den schwachen bey

Vnd ist umb ihrent willen kommen

Alß du zuvor wol hast vernommen.

Sanct Pauli wort nimm auch in acht

Da er zu den Corinthern sagt

Mich selbst zu rühmn enthalt ich mich

Daß nicht hoch werd geachtet ich

Aber allein Christo zu ehrn

Rühm ich mich meiner schwacheit gern

Bin frölich und guts muts darin

Dann starck ich in der schwacheit bin.

Hör diß mein kindt lern es verstehn

Gott lest dir auch dein schwacheit sehn

Nicht darumb daß du solt vertzagen

Vnd dich zu Tod derwegen plagen

Sondern dich allzeit achten klein

Vnd lernen fein dehmütig seyn;

In allen dingen ihm vertrawn

Vnd nicht auff eignen kräfften bawn:

Dein krafft er offt zu schanden macht

Daß du auff ihn allein gebst acht

In deiner schwacheit hastu stärck

Durch Christi krafft mein kind das merck

Es hufft und steht dir bey allzeit

Darumb sey guts muts in schwacheit

Sein krafft ist mächtig in den schwachen

Ergib dich ihm Er wirds wol machen

Mit seiner hülff stets bey dir seyn

Folge nur seiner stimm allein

Vnd bleib bestendig biß ans End

Im Creutz dich nicht vom ihm abwend:

Das Creutz ein zeichen ist der gnaden

Bringt jederman nutz niemand schaden

Es ist des Herren Iesu Fahn

Nims an und sey ihm unterthan

Vnd such allzeit sein lob und ruhm

So bist du im Wahren Christenthum

Vnd wol versichert Gottes huldt

Hast auch vergebung aller schuldt:

Dann all dein Sünd und Missethat

Der Herr ans Creutz geschlagen hat

Weil sie dich rewen hertzlich sehr

Vnd du sie auch wilt thun nicht mehr:

Sein unschuld hat Er dir gebracht

Dadurch von Schuld dich loß gemacht

Dein Schand hat Er ans Creutz gehenckt

Vnd dir dafür sein Ehr geschenckt

Er hat getödt dein Sündlichs leben

Vnd dir sein Leben wieder geben

Welches ist voller Heyligkeit

Darin zu üben dich allzeit

Nimms an und folg Christo dem Herrn

Diß ist die prob, thustu es gern

So darffstu nicht im zweiffel stehn

Gott hab dich gnädig angesehn

All deine Sünd vergeben sind

Vnd bist ein Außerwehltes kindt

Die Er erwehlt hat Paulus spricht

Lest Er auch unberuffen nicht

Vnd die den Beruff folgen schlecht

Macht Er auch Heylig und Gerecht

Die Gerechten er Herlig macht

Mein kind nimm diese Wort in acht

Du weist das du beruffen bist

Hast auch zur Nachfolg lieb und lüst

Hassest das Sündlich leben sehr

Was wiltu dennoch zweiffeln mehr?

Gottes gnad und barmhertzigkeit

Geht vor der bessrung her allzeit

Die Busse auß der gnad herkömpt

Vnd davon ihren anfang nimmt

Wo lieb und lust zur bessrung ist

Da wohnt im hertzen Iesus Christ

Vnd wircket die Buß liebes kindt

Wo man nun Iesum Christum findt

Da ist auch warlich Gottes gnad

Da gnad ist thut kein Sünd mehr schad.

Des Vatters zug wirst iho gewahr

Daran hast auch ein zeichen klar

Daß du von ihm seyst angenommen

Vnd in der gnad zu Christo kommen:

Den der zu mir kompt Christus spricht

Werd ich von mir außstossen nicht

So viel du in der Buß zunimpst

Du täglich näher zu ihm kömpst

Vnd bist zur herrligkeit erwehlt

Dein thun in Christo Gott gefelt

Weh dem der hoffnung fallen lest

Mache nur dein erwehlung fest

Vnd betrübe dich hinfort nimmer

Allein damit dich stets bekümmer

Daß du zu wandlen dich befleist

Alß Gottes Geist im Wort dir heist

Dein bestes thu in allen sachen

Das übrig wird der Herr wol machen

Vnd dein zeit die in eiteln dingen

Hingangen ist wiederumb einbringen

Vnd erstatten in kurtzer frist

Was guts von dir verseumet ist

Steh ihm in allen nur gelassen

Er wird dich führn auff rechter strassen

Zum lebens brunn auff grüner awn

Da wirst deins hertzen lust anschawn

Auch alles leiden überwinden

Vnd ruh für deine Seele finden.

O Mutter wie wol tröst ihr mich

Krafft ewer Red empfinde ich

Dann alles was ihr mir gesagt

Befind ich wahr wann ichs betracht

Vnd hat im Wort des Herren grund

Was ich gehört auß ewerm mund

Hab darumb auch kein ursach mehr

Zu trauren wie ich gthan bißher

Dann Gottes gnad der itzund ihr

Erinnert mich ich täglich spühr

Sein güth barmhertzigkeit und trew

Wird auch bey mir all morgen new

Zu dancken solcher grossen güth

Habt ihr erwecket mein gemüth

Vnd mich mit trost erquicket woll

Ewr wort ich nicht vergessen soll.

Behalt sie kindt zu deiner sterck

Vnd was die Schrifft dir sagt das merck

Liß fleißig das New Testament

Alles darin geht zu dem Endt

Das wir sollen gedult trost lehr

Vnd hoffnung haben in beschwer

Dann dir und mir auch mit angeht

Alles das drinn geschrieben steht

Lern die exempel recht verstehn

Darin wirst überflüßig sehn

Wie Gott so freundlich und geneigt

Den Armen Sündern sich erzeigt

Sieh doch an den Verlohrnen Sohn

Ein exempel lieblich und schon

Wie nimpt der Vatr ihn an so gern

Sah ihn an da er noch war fern

Vnd da er näher zu ihm kömpt

Sieh wie freundlich Er ihn annimpt

O Vaters hertz ernst ist es dir

Solches in allen dingn ich spür!

Dein unendlich Barmhertzigkeit

Ist bereit wann wir noch sind weit

Uns anzunehmn und zuumbfahn

Wann wir umbkehrn uns zu dir nahn.

Du liebhaber der Menschen kinder

Erbarmst dich aller armen Sünder!

Das find ich in der Schrifft ohn zahl

Auch täglich scheinbar uber all.

Liß die Propheten auch mein kindt

Herrlichen trost darin man findt

Schmeck und sieh wie from ist der Herr

Wie freundtlich süß und lieblich Er

Sein unverdiente gnad beweist

Vnd über uns reichlich außgeust

Wie ist Er uns doch so geneigt

Sieht welch ein lieb uns Gott erzeigt.

Iohannes der Apostel spricht

Wer wolt der lieb sich frewen nicht?

Sieh doch mein Kind und nimm in acht

Gott der unendlich ist von macht

Vnd niemands hülffe nötig hat

Zu erhalten sein Majestat,

Machet sich so gering und klein

Alß wann Er nicht könt ohn uns seyn

Sein lieb Er zuerkennen gab

Sanke zu uns sein Wort herab:

Das Wort war Gott Gott war das Wort

Ist von Anfang bleibt immerfort

Gott und bey Gott in Ewigkeit

Das ist Fleisch worden in der zeit

O wunder über wunderthat!

O unaußsprechlich große gnad!

Gott ist ein wahrer Mensch gebohrn

Hat doch sein Gottheit nicht verlohrn

Gott von Gott, Liecht von liecht außgangn

Ist von dem Heilign Geist empfangn

Gebohrn aus einer Jungfrawn rein

Ein wahrer mensch mit Fleisch und bein.

Bedenck mein kind was Wort diß sind

Gott ist Gebohrn ein menschen kindt

Von einem unbefleckten Weib

Lest sich sehn im menschlichen Leib

Vnd nimmt sich unsers Elends an

Ist unter das Gesetz gethan.

Anfang ohn Anfang End ohn Ende

Gibt sich hin in der Menschen hende

Der Sünder straff tregt der Gerecht

Wird willig ein knecht aller knecht

Der aller Herren ist ein Herr

Was hat er uns thun sollen mehr?

O welch ein Lieb und grosse Gnad

Die er an uns beweiset hat!

Mutter gebt nur recht zuverstehn

Auß was ursach ist diß geschehn?

Vnd warumb hats so müssen sein?

Die ursach mein kindt, ist allein

Gottes Lieb wie die Schrifft vermeidt

Also hat Gott geliebt die Welt

Daß er sein'n einign liebsten Sohn

Gab und zu uns vom Himmels Thron

Herab ließ kommen hie auf Erden

Auff das wir nicht verlohren werden

Wer gläubt der wird gerichtet nicht

Der nicht gläubet ist schon gericht.

Kein ander ursach liebes kindt

Alß die Göttliche lieb man findt

Allein auß lauter lieb umb sonst

Mittheilt er uns sein gnad und gunst

Zu dem End und darumb allein

Das wir sein Kinder sollen seyn

Ihm dienen in Gottseligkeit

Vnd Heiligkeit zu jederzeit.

Wir gingen irrend wie die Schaf

Vnd hatten verdient ewig straff

Weil wir muhtwillig durch den fall

Von ihm wahrn abgewichen all

Er hat uns aber auffgericht

Strafft uns nach unsern Sünden nicht

Nimmt Christum an für einen bürgen

Vnd lest denselben für uns würgen

Durch ihn sind wir nun frey gemacht

Zum leben wiederumb gebracht

Der gibt für uns sein Leib und Leben

Auff das wir uns ihm wieder geben

Mit leib und leben gleicher massen

In allem unserm thun und lassen;

Er hat zu seinem Lob und Ruhm

Uns ihm gemacht zum Eigenthum

Will nicht das jemand werd verlohrn

Dann darumb ist er Mensch gebohrn

Vnd hat ein Menschen Kindt seyn wollen

Auff das wir durch ihn werden sollen

Kinder Gottes from rein und pur

Theilhafftig Göttlicher Natur,

In allem gleich wie er gesinnt

Daß ist die End ursach mein kindt

Darumb er sich auß lauter gnad

Für uns dahin gegeben hat

Macht uns durch sein barmhertzigkeit

Zu allem guten werck bereit

Das wir ihn damit sollen preisen

Gottseligkeit dadurch beweisen

Dann sein Gebürt Todt Aufferstehn

Auffart und was sonst ist geschehn

Das alles soll uns dazu dienen

Dazu ist Gottes gnad erschienen

Vnd unsers Heilands freundligkeit

Das Er ihm selbst ein Volck bereit

Das fleißig wehr zu guten Werckn

Diese Wort mein kindt wolstu merckn

Dich der Welt lieb und lust entschlagen

Christi leben aus lieb nachjagen;

Weil du zu guten Wercken bist

Von Gott geschaffn in Iesu Christ,

Paulus zu den Ephesern spricht

Nach seiner Lehr dich fleißig richt

Laß im stand guter Werck dich finden

Vnd hüte dich für allen Sünden

Von tag zu tag je mehr und mehr

Durch wahre Buß zu Gott dich kehr

Vnd dancke seiner grossen gnad

Die er uns alln erzeiget hat

Ja Lob und Danck sey ihm dafür

Auch Ewiglich gesagt von mir;

Genugsam ich ihn all mein tag

Für seine güth nicht preisen mag

Dann mir insonderheit sag ich

Erzeigt er sich stets Vätterlich

Wann ich all sein Wolthat betracht

Das Er zum menschen mich gemacht

Durch fromme Eltern mir das leben

Vnd wolgestalten Leib hat geben

Stete fürsorg für mich gehabt

Mit Witz und Verstandt mich begabt

Von der kindheit und Jugend auff

Auch mitten im Sündlichen lauff

Mich gnädiglich gesehen an

Ich ihn nicht genug rühmen kan

All seine gutthat nach gebühr

Sind zu erzehln unmöglich mir

Auß vielerley Gefährligkeit

Er mir geholffen hat allzeit

Heilt mein kranckheit macht mich gesundt

Erhelt noch biß auff diese stund

Vnd wann ich sündig bald Er mich

Heimsucht und züchtigt Vätterlich;

Nimpt dadurch hin mein missethat

Lest nach der steup mich finden gnad

In dem und damit er mich strafft

Er viel guts bey mir wirckt und schafft

Sünd er im Fleisch durch Sünd verdampt

Beweist an mir sein Mittlers-Ampt

Offnet mir seines Worts verstandt

Vnd macht mir mein jrrthumb bekandt

In allem Creutz mir trost zusendet

Vnd alles böß zum besten wendet

Lockt leitet lehrt und helt mich auff

Daß ich den breiten weg nicht lauff

Gibt mir sein'n willen zuerkennen

Lest mich nach seinem Nahmen nennen;

Solcher und andren wohlthat mehr

Die er mir hat erzeigt bißher

Ich ihm nach würd nicht dancken kan

Lebt ich auch tausendt Jahr fortan:

Gelobt sey sein barmhertzigkeit

In dieser und zukünfftign zeit

Mutter erfreut euch doch mit mir

Vnd sagt dem Herren danck dafür

Der Vatter liebt mich in dem Sohn

Gleich wie den Sohn ist das nicht schon?

Das hertz in meinem leib thut springen

Für freuden heb ich an zu singen:

Gott hat mein Sünd mir hingenommen

Dadurch bezahlt sind mein schult-summen

Vnd sie ans Creutz geschlagen

Ich bin mit Gott vertragen

Wills frölich mit ihm wagen

Ihm Ewiglich Dancksagen

Vnd hinfort nicht mehr klagen

Noch mich mit sorgen plagen.

Mein liebes kindt dein freud ist mein

Billig sollen wir danckbahr seyn

Mit freuden Gott Lob-Opffer schencken

Vnd seiner Wolthat stets gedencken

Diß sind wir ihm ja schüldig nun

Solten wirs dann nicht willig thun

Vnd unsern höchsten fleiß ankehrn

Zu folgen diesem frommen Herrn?

Ja Mutter hertzlich gern wil ich

In seiner nachfolg üben mich

Gedültig unterm Creutz mich neigen

Den berg der tugend anzusteigen

Meinen willn hab ich ihm ergebn

Seinem willn willig nach zu lebn;

Vnd ist meins hertzen wunsch alzeit

Das ich müg sein dazu bereit:

Aber der weg macht mir offt bang

Weil er beschwerlich ist und lang

Voller gefahr und hindernuß

Da man hindurch passiren muß;

Die gantze Welt mit ihrer list

Auch Satan mir zu wieder ist

Imgleichen viel der guten freund

Mir auch im lauff entgegen seind

Sagen ich soll mich nicht so krencken

Sondern eins andern mich bedencken

Mein Sinn nicht von der Welt abziehn

Ihr lüst und freud so bald nicht fliehn

Auffs alter in den künfftign tagen

Mich erst mit den gedancken plagen

Hab zeit und weil genug hernach

Darin ich Gott gefallen mag;

Soll mich des Creutzes nehmen an

Wann ich kein freud mehr haben kan:

Diese und derogleichen Wort

Hab ich mit schmertzen offt gehort

Erfahren nach des Satans tück

Der Welt betrug und bubenstück

Bin dadurch offt zu fall gebracht

Am guten fürsatz irr gemacht;

Gelobt sey Gott zu aller zeit

Der mich vom übel hat befreyt

Vnd wieder vom fall auffgericht

Sein Gnad wol mich verlassen nicht

Sondern mir beystehn und mich stercken

In allen ihm gefällign wercken.

Mein liebes kindt fahr du nur fort

Vnd halt dich fest an Gottes Wort;

Sey unverdrossen, werd nicht treg

Zu wandlen auff des Herren weg

Ohn tadel wirstu kommen fort

So du dich heltst nach seinem Wort

Sich nicht zurück im guten lauff

Laß dich durch kein ding halten auff

Sich keines menschen freundschafft an

Ein mensch den andern hindern kan

Will niemandt mit, geh du allein

Sieh auff dich selbst laß andre seyn

Steh nicht still und werd nit verdrossen

Eil fort ehe die thür wird verschlossen

Itzt hastu noch zu wandlen zeit

Verseum dich nicht weils noch heist heut.

Des Herren Jesu krafft vertraw

Vnd auf sein gnaden hülff fest baw

Im glauben daß Er krefftiglich

Kan dempfen all die wieder dich

Nimm nur zur hand sein wehr und Waffen

So wird kein feind was an dir schaffen

Sein Wort ist ein zweyschneidig Schwert,

Das nimm in acht und halt es werth

Wieder all deine Feind zu fechtn

Gebrauchs zur lincken und zur rechtn

Des Glaubens Schilt stets für dich halt

So schadt dir nicht Satans gewalt

Tritt keck den weg hinan alßdann

Der Feind an dir nichts haben kan;

Du must aber guth achtung geben

Für sicherheit dich hüten eben

Der Feind ist listig nicht zu trawn

Darumb must fleißig umb dich schawn'

Bey Nacht und Tag stets halten wach

Daß Er dich nicht zu schanden mach

Dann gar offt er danieder felt

Sich gleich alß uberwunden stelt

Bald aber ehe man sichs versicht

Hat er sich wieder aufgericht

Vnd viel mehr alß zuvor gesterckt

Kan auch offt da mans nit vermerckt

Einem ein dein leicht unterschlagen

Daß mans sein lebtag hat zu klagen

Diß nimm in acht und hüte dich

Folg mir ich mein es Mutterlich

Vnd theil dir mit getrewen rath

Glaub der die es erfahren hat

Vnd laß dich warnen jeder zeit

Für drey Feinde insonderheit

Augen-lust Fleisches-lust hoffart

Drey Teuffelinnen einer ahrt

Diese sind wieder dich geruft

Zufellen dich mit ihrer lust

Werden ein lieblichs Netz dir stellen

Vnd sich freundlich zu dir gesellen

Hüt dich dafür mein liebes kindt

Es ist des Teuffels Hoffgesind

Vnd sind die aller ärgsten feind

Stellen sich doch lieblich als freund.

Der mensch ist leicht durch sie betrogen

Vom guten fürsatz abgezogen

So er nicht durch die Göttlich güt

In steter forcht helt sein gemüth

So ist es bald umb ihn geschehn

Darumb must fleißig für dich sehn;

Gib den augen zu viel nicht raum

Bey leib halt auch dein fleisch im zaum;

Lieb die Dehmuth so bist verwahrt

Vnd wol versichert für hoffart

Augenlust macht die menschen blindt

Vnd ist ein ursach grosser Sündt

Unzehlig viel durch sie betrogen

Sind von dem guten abgezogen

Gefallen in groß Sünd und Schandt

Haben das leben nie erkant

Lieblich anblick der augen ist

Ein führerin zur fleisches lüst

Fleisches lüst aber pein gebiert

Vnd die Seel ins verderben führt

Sie macht die menschen gar zu Schwein

Die doch nach Gott gebildet seyn

Vnd so man nicht thut Buß beyzeit

Bringt kurtze freud in Ewigs leid.

Hoffart das aller schädlichst Thier

Brütet aus zorn mißgunst rachgir

Streit neid und laster mehr ohn zahl

Hoffart bringt grosse Leut zu fall

Darumb mein kindt sich dich wol für

Das diese drey nicht schaden dir

So du wirst diese ubermannen

Jagst auch all andern leicht von dannen

Die wieder dich sich legen auff

Zu hindern deinen guten lauff

Wirst frey und sicher wol passiren

Das dich kein laster wird verführen

Dann wann die Obersten erschlagen

Sind die Soldaten leicht zu jagen

Darumb von aller Eitelheit

Wende dein augen ab bey zeit

Das dich derselben lust nicht blende

Vnd von dem guten weg abwende

Die schön gestalt der Welt-Leut fleuch

Vnd ihrer freundtschafft dich entzeuch

Dann bey dir schön ist groß gefahr

Bedenck diß und dich wol bewahr

Hab in all deinem thun auffmerckn

Das du in geberd wort und werckn

Züchtig und eingezogen seyst

Dein Fleisch macht unterthan dem Geist

Halt maß allzeit in allen sachen

In Essen Trincken Schlaffen Wachen

Durchs Gebedt halt im zaum dein Fleisch

Forcht Gott allzeit so bleibstu keusch

Fleisches lust wird bald von dir scheiden

Gedenck nur offt an Christi Leiden

Vnd wapne dich mit seinem leben

So wird Hoffart auch urlaub geben

Wieder sie kanst mit Dehmuth kempffen

Den zorn mit Christi Sanfftmuth dempffen.

Geduld alls leiden überwindt

Forcht dich gar nicht mein liebes kindt

Erzeig dich nur Mannlich im streit

Des Lebens Kron ist dir bereit

Groß zusag der belohnung finden

In Heilger Schrifft die uberwinden.

Mutter es sey mit Gott gewagt

Zu streiten bin ich unverzagt

Ewr Lehr die ihr mir habt gegeben

Will ich behalten wol und eben

Für meiner feinde list mich hüten

Nicht forchten mich für ihrem wüten

Wann Gott mit mir ist sagt wer kan

Mir böses thun und schaden dann?

Seiner gnad will vertrawen ich

In seiner forcht stets halten mich

Sein Heiligr Geist wol mich regieren

Nach seinem Wort und willen führen

In allem mein Geleyts-mann seyn

Mich von den Sünden machen rein

Mit glaub lieb hoffnung zucht gedult

Vnd Sanfftmuth zieren durch sein huld.

O Iesu wend die Hoffart ab

Mit deiner Demuth mich begab

Hilff mir all läster uberwinden

Das sie kein platz mehr bey mir finden

O gedult Iesu, mein Artztney

Steh du in allem Creutz mir bey

Laß mich nicht ungedultig werden

In worten wercken und geberden

Wann mir was wiederlichs zusteht

Vnd traurigkeit zu handen geht

O keuscher Iesu, dein keuscheit

Geb mir auch allzeit das geleyt

Enthalt mein hertz in deiner zucht

Das darin wachß kein böse frucht

Ohn dich kan für Gott niemand taugen

Regier du mein gesicht der augen

Der du meins lebens führer bist

Wend von mir ab all augen lüst

O reiner Iesu, mich regier

Das mich kein Fleisches lust verführ

Mein Sündtlich begierd zwing und zehm

Das mich kein Eitelheit einnehm

Laß mich bedencken offt dein leiden

So werd ich all Welt freud wol meiden

Sey du meins hertzen freud allein

Laß mich ohn dich nicht frölich seyn

Dir Herr Iesu, ergeb ich mich

Dein will ich bleiben Ewiglich.

Also mein liebes kindt also

Deiner red bin ich hertzlich froh

Der Herr Iesus sterck den fürsatz

Vnd sey deins lebens freuden schatz

Halt im Gebett nur fleißig an

Es wird kein hülff dir manglen dann

Der Herr wird seyn dein liecht und Heil

Deins lebens krafft, dein gutes theil

Dein schilt dein schutz fried freud und ruh

Keins feindes trotz darffst forchten du

Darumb mein kindt für allen dingen

Halt an mit Bethen Lesen Singen

Wirstu dein zeit damit zubringen

So wird all dein thun wolgelingen.

Mutter das ist mein höchste freud

Vnd meins lebens ergetzligkeit

In Gott ich all mein hoffnung setz

Nim nicht dafür all irdisch schetz

Was ist die Welt mit ihrem pracht?

Für dreck ich ihren hochmuth acht;

Was ist doch ihr reichthumb und schön?

Ein schatt ein larv ein leer gethön

Da nichts bey ist dann Eitelkeit

Wo tugend nicht gibt das geleyt

Was ist wollust die viel verblendt?

Ein vollust man sie billig nennt

Ein uberzuckert tödtlich speise

Damit Satan fangt seine meuse

Das allerhöchste gifft der Welt

Ein Netz das er sein'n Vögeln stellt

Ein garn und strick das er fürhangt

Darin leichtfertig hertzen fangt

Für Gott ist kein ding so abschewlich

Den Heilign Engeln nichts so grewlich

Den keuschen menschen from und Ehrlich

Nichts so verdrießlich und beschwerlich

Als die schändtliche wollust ist

Ich gleich sie dem Kuhkoth und mist

Den Fladen die im Felde ligen

Bey Sommers zeit darin die Fligen

Heuffig herumb spatziren gehn

Nach schönen Blumen nicht umbsehn

Suchen im koth ergetzligkeit

Wissen von keiner andern freud

Ihr keiner über sich gedenckt

So tieff sind sie darin versenckt

Wolln sich nicht in die höh erheben

Vnd mit den Flügeln aufwerts schweben:

Eben also sind die dreck Gecken

Die sich mit vollust koth beflecken

Vnd dahin neigen all ihr dichten

Die flügl der andacht sie nicht richten

Sich damit auffwerts zu erheben

Bleiben an ihrem unflat kleben

Vnd werden darin umbgezogen

Von ihrer eignen lust betrogen

Wollen was Himlisch ist nicht schmecken

Viel lieber koth als honich schlecken.

Fragen nichts nach dem besten leben

So gar sind sie der Welt ergeben

Fliegen mit ihren flüglen nicht

Ihr keiner in die höh sich richt:

Darumb sie auch alß arme fliegen

Im koth ihr tag wol bleiben ligen

Vnd müssen in unendtlichs leiden

Ewiglich von Gott abgescheiden

In unaußsprechlich Hellen pein

Mit Leib und Seel verlohren seyn:

Dann wer sich nicht in zeit der gnaden

Lest warnen für der Seelen schaden

Von Gott durch sein Gesetz erschrecken

Vnd aus dem schlaff der Sünden wecken

Sondern von seiner lüst umbtrecken

Vnd bleibt in seiner Sünden stecken

Denn wird Gott in des Satans hecken

Mit Ewiger ungnad bedecken.

Mutter ist diß nicht zu beklagen?

Ja kindt das magst mit warheit sagen

Schrecklich ist Ewig seyn verlohrn

Besser wehr das man nie gebohrn.

Danck du dem lieben Gott dafür

Der diß gibt zuerkennen dir.

Gelobet sey sein grosse gnad

Die dir so weit gehülffen hat

Das du diß also kanst ansehn

Vnd der Welt eitelkeit verstehn.

Ja Gott sey ewig lob gesagt

Der mich davon hat frey gemacht

Vnd lassen sehn ein bessers liecht

Darnach ich meinen wandel richt:

Laß fahren hin die blinde Welt

Ihr wesen mir nicht mehr gefelt.

Ade Reichtumb ade wolleben

Kein wahre frewd kont ihr mir geben

Nach einem grössern gut ich tracht

Vnd streb mit bitten Tag und Nacht:

Nim dafür an kein irdisch gut

Das Ewig mir gefallen thut:

Alle Weltlust ist Eitelkeit

Vermischt mit leid geht mit der zeit

Ohn Ende aber und ohn schmertzen

Ist die Göttliche freud im hertzen

Vermehrt sich alle tag ohn klag

Man findt darin kein leit noch plag

Ein traurigs Hertz ist nicht dabey

Denn Gottes freud macht sorgen frey

Nimpt alles leit dem hertzen ab

Darnach ich ein verlangen hab.

Ade du blinde Welt fahr hin

Such dir nun leut nach deinem Sinn

Hast itzo mehr an mir kein theil

Zerbrochen ist dein strick und seil

Ohn schaden bin ich dir entflogen

Durch Gottes gnad heraus gezogen.

Iesu sey danck zu allen stunden

Der dich in mir hat uberwunden

Itzt werd ich deiner tück gewahr

Dein taused list ich nun erfahr:

Eröffnet sind die augen mir

O Gott mich ferner auch regier

Richt meinen gang das ich nicht gleit

Vnd steh mit hülff mir bey allzeit

Sterck mich in allem guten Herr

Vnd die noch irren auch bekehr.

Ja kind das wird der Herr auch thun

Die sich ihm willig lassen nun

Weils noch heist heut in dieser zeit

Abstehn von aller Eitelheit

Die Welt und ihre lüsten fliehen

Vnd sich vom Herren lassen ziehen

Den willen ihm zum Opffer geben

Vnd seiner stimm aufmercken eben:

Dann gehorsam vors Opffer geht

Als Samuel spricht, der Prophet.

In gnaden Gott von Abraham,

Den willen für die werck annam

Abraham war danckbar dem Herrn

Opffert ein Widder ihm zu ehrn.

Wer guts zu thun im willen hat

Der tracht auch stets nach guter that

Vnd der auch tracht darnach allzeit

Findt wol dazu gelegenheit

Das alles wirckt allein der Herr

Ihm sey Ewig Lob Preiß und Ehr

Von mir und dir mein kindt gesagt

Sein gnad Er uberfliessend macht

Mittheilt uns seine schätz und gaben

Den kern der Heiligen Schrifft wir haben

Nach unsers Hertzen wunsch und will

Herrliche Bücher auch die füll

Welche der Satan lange zeit

Zu hindern unser Seelen freud

Hat verdrückt versteckt und verdeckt

Die Leut vom lesen abgeschreckt

Gott aber der sein warheit nicht

Zu grund lest gehn bringt sie ans Liecht

Macht scheinend zu den letsten zeiten

Sein Liecht und weißheit allen Leuten

Wer nicht will seyn muhtwillig blindt:

Dem ist geholffen liebes kindt.

Zum Abendmahl ist eingeschlacht

All dinge sind bereit gemacht

Wir haben über nichts zuklagen

Der Herr lest heuffich uns auftragen

Sein Brünlein hat wasser die füll

Wer nur hin gehn und schöpfen will.

Rufft nicht die weißheit draußen heut

Vnd lest einladen zur Hochzeit?

Der Herr steht selbst wart mit verlangen

Will uns als liebe Gäst empfangen

Wann wir nur möchten fertig seyn

Da fehlt es aber an allein

Der mangel ist auf unser seiten

Das wir uns wollen nicht bereiten

Oder von Gott bereiten lassen.

Er lest uns nachgehn auf den gassen

Durch seine außerwehlten knecht

Getrewe Diener from gerecht

Die Er zu Botten hat bestellt

Uns zu beruffen von der Welt;

Ihnen geöffnet das verständtnüß

Vnd gegeben der Schrifft erkäntnüß:

Die sie in diesen letsten Tagen

Uns offenbahren und fürtragen

Vnd alß getrewe fromme knecht

Ihr pfund auf Wucher legen recht

Auch in den Weinberg grossen fleiß

Anwenden Gott zu lob und preiß

Die soll man halten hoch und werth

Weil sie von Gott selbst sind gelehrt

Gesalbet mit dem öhl der freuden

Können das böß vom guten scheyden

Weil sie den schlüssel Davids haben

Sind mit Weißheit und hohen gaben

Für allen andern hochgeziert

Vnd vom Geist Gottes illustrirt

Der sie zu allem guten treibt

Vnd stets mit gnad bey ihnen bleibt.

Gottes weißheit macht kluge Leut

Der sie früh sucht findt sie beyzeit

Darumb kindt dich zu ihnen kehr

Gib ihren Worten gern gehör

Liß ihre Schrifften auch dabey

Vnd bitt Gott das er gnad verleih

Zu erkennen die warheit klar

Die bißher ist verdunckelt gar

Vnd bleibt noch heut zu tag verschwiegen

Von Welt gelehrten die mit lügen

Glossiren und falsch allegiren

Viel Leut vom rechten weg abführen.

Für die soltu gewarnet seyn

Nicht achten ihr ansehn und schein;

Sie haben Gott noch nie erkandt

Sind auch von ihm nicht außgesandt

Oder von seinem Geist gelehrt;

Hüth dich dafür sie sind verkehrt

Las dich durch sie ja nicht verleiten.

Mutter ich bitt wollt mirs andeuten

Auff das ich mich müg huten wol

Wobey ich sie recht kennen soll.

Ich weiß noch nicht zu unterscheiden

Was ich annehmen soll und meiden

Vnd bey wem ich die warheit find

Weil so vielerley Secten sind.

Wo sind die Gotts Gelehrten Leut

Die von Gott haben die Weißheit

Zu welchen ich soll halten mich?

Ein jede Sect berühmet sich

Die Warheit sey auff ihrer seit

Rufft kommt zu uns hie ist Weißheit

Wir wir sind von Gott ausgesandt

Sein Wort zu machen euch bekandt:

Unser vocation ist recht

Wir sind die wahren Gottes Knecht

Unser Lehr müsset ihr beyfallen

Diese wort höret man von allen

Lutheraner und Calvinisten

Auch Flaccianer und Papisten

Vnd ander viel ihrs gleichen mehr:

Ein jeder sagt in seiner Lehr

Sey die Göttliche warheit rein

Bey andern nicht sie sinds allein

Bey den man soll die weißheit suchen

Die andern alle sie verfluchen

Wissen sämptlich die Schrifft zu führen

Können fein zierlich sie glossiren

Drauß Disputirn und arguiren

Ihr Lehr damit zu defendiren

Nennen sich Christen all mit nahmen

Halten doch einig nicht zusamen;

Viel sind Luthero zugethan

Ander hangen Calvino an

Achten ihn für den besten Lehrer

Die andern all für Schrifft verkehrer.

Viel geben beyfall den Papisten,

Vnd halten sie für rechte Christen

Rühmen sehr hoch ihr Lehr und leben;

Ander sich Flaccio ergeben

Jederman erhebt sein Partey,

Dieser steht dem, der jenem bey

Die Schrifft nach seiner meinung lenckt

Diß alles mich von hertzen krenckt

Daß ich auch bin in meinem sinn

Fast zweiffelhafft gemacht hirin

Weiß nicht wem ich mich soll verbinden

Da ich müg rein die warheit finden;

Liebe Mutter sagt mirs bitt ich

Welchem soll ich ergeben mich?

Vnd wem soll ich hirin beyfallen?

Liebes kindt keinem von den allen

Sie haben nicht die warheit rein

Kommn nicht mit Christo uberein

Sind alle noch von ihm sehr weit

Weil sie leben in zanck und streit:

Dann da man streit ist Christus nicht

Ein Christ nicht streit verdampt noch richt

Das Christenthumb besteht in leiden

Vnd nicht in streiten haddern neiden

Man findet nicht bey Christi Freunden

Das sie sich Hassen und anfeinden

Sondern fried lieb und einigkeit

Sanfftmuth gedult freundschafft ohn neit

Das Fleisch Creutzigen sampt den lüsten

Sind die zeichen der wahren Christen

Wo du sie findest liebes kindt

Alda die rechte Christen sind;

Sonst nirgend darauff gib nur acht

Das leben Christi wolbetracht

Wo man desselben gleicheit sicht

Da ist er selbst dran zweiffel nicht

Solcher glaube ist am gewisten.

Mutter so findt man wenig Christen

Unter allen die ich genandt

Dann mehr ist als zu viel bekandt

Wie sie gelebt in zanck und streit

Lange jahr biß auff diese zeit

Haben ein andr alß Hund gebissen

Vnd wie die Wölfe sich zerrissen

Als ihre Schrifften diß außweisen

Das werck den Meister pflegt zupreisen

Ich find allda kein einigs zeichen

Das Iesu Christo möchte gleichen.

Ja kindt das ist wahr allzumahl

Man sieht es leider über all

Das die von Hohen Schulen kommen

Vnd von menschen Lehr eingenommen

Sind mit stoltz und hoffart besessen

Ehrsüchtig geitzig Gotts vergessen

Häßig fräßig leicht zuentrüsten

Unrein und folgen ihren lüsten,

Predign umb Gelt lieben die Welt

Vnd thun nicht das Gott wolgefelt

Sind vieler schand' und laster voll

Darumb man solche meiden soll

Sich nicht nach ihren nahmen nennen

Oder zu ihrer Sect bekennen:

Dann mans an ihren früchten sicht

Das sie sein Christi Jünger nicht

Bey der lieb kennet man allein

Spricht der Herr die mein Jünger seyn

Wie man den baum kennt bey den früchten

Darnach soll sich ein jeder richten

Ein guter Baum bringt gute Frücht

Ein fauler arge Christus spricht::

Nach seiner art ein jedes ist

Von Dornen man kein Trauben liest

Vnd von den Disteln keine Feigen

Thut ferner uns der Herr anzeigen.

Das böse kan nichts gutes bringen

Merck diß mein kindt in allen dingen:

Was gut ist kömpt von Gott allein

Bey ihm wohnt alle Weißheit rein

Darauß die rechte Lehr herfleußt

Vnd sich in fromme hertzen geust;

Sie will nicht sein bey den verkehrten

Welt-weisen klugen Schrifftgelehrten

Die nach ansehn und hoheit trachten

Vnd Christi Demuth weinig achten:

Solche finden die Weißheit nicht

Die Gottlosen (als Syrach spricht)

Vnd hoffertigen sie nicht sehn

Die heuchler nichts von ihr verstehn

Man findt sie nicht beym grösten hauffen

Sie lest sich auch für Gelt nicht kauffen

Kömpt nicht von Hohen Schulen her

Als Welt-Weißheit und Menschen Lehr

Dafür man sein Gelt gibt dahinn

Vnd sucht wiederumb darauß gewinn.

Die thöricht toll und blinde Welt

Meint das man Weißheit kaufft umb gelt

Vnd nimt auch wieder geld dafür:

Gott lob ein bessers wissen wir

Für geldt kaufft man kein Himlisch gaben

Die Perl ligt nicht im koth vergraben.

Einn andern Acker muß man pflügen

Nicht achten der Welt-weisen lügen,

Sie sind in ihrer witz verkehrt

Keiner das Liecht zu sehn begehrt;

Ihnen geselt ihr krämmerey

Sie haben vollen bauch dabey.

Also ein blinder fuhrt den blinden

Ihr keiner wird die weißheit finden:

Dann die nichts wollen wissen mehr

Als menschen weißheit kunst und Lehr

Sind reich und satt in ihrem sinn

Vnd fahrn in ihrer witz dahinn:

Die sind und bleiben immer Thorn

Vnd werden nimmer Newgeborn:

Die aber von Gott sind berührt

Aus der blindtheit zum liecht geführt

Vnd die Salbung empfangen haben

Können verstehn die hohen gaben

Dürffen nicht lernen von jemandt

Weil ihnen alles ist bekandt

Die Salbung lest sie jrren nicht

Iohannes der Apostel spricht:

Dann die ist wahr, lehrt allerley

Ohn falsch kein lügen ist dabey.

Kömpt aus den Geist von oben her

Bringt allein mit die reine Lehr

Die sich gantz kräfftiglich erweist:

Dann was aus diesem Brunnen fleust

Vnd von dem Heilign Geist entspringt

Gewaltig zum gemüth eindringt;

Wird vom Geist wieder angenommen

Hat safft und schafft viel nutz und frommen.

Aber der Menschen Lehr verschwindt

Kein krafft das hertz davon empfindt

Geht wie sie kömpt bald wieder hinn

Des lebens kern ist nicht darinn.

Wie offt bist wol zur Kirchen gangen?

Sag was hastu für nutz empfangen?

Welcher Pfaff sagt vom innern wort?

Hast von der Salbung auch gehort?

Von der Tauff mit dem Geist und fewr?

Wie ist doch diese Lehr so theur?

Keiner thut uns davon bericht

Man hörts in ihren kirchen nicht

Ihr keiner uns den Mosen lehrt

Vnd die Propheten recht erklert:

Wer macht dir auch das Buch bekandt

So Offenbarung wird genandt?

Wer ist von allen ders außlegt

Vnd die Geheimnüß deutet recht?

Wer kennet doch den Geist der Schrifft?

Wer ist der seinen Sinn recht trifft?

Darinn die höchste weißheit steckt

Das alles bleibt für uns verdeckt

Keiner zum innern grund uns führt

Vnd das Gemüth recht contentirt

Nenn mir von allen Pfaffen einen

Ders thut ich weiß du findest keinen.

Mutter ich muß fürwar bekennen

Ich weis euch keinen hie zu nennen

Hör diß von ihnen nicht erkleren

Sie lestern vielmehr die so lehren

Verfluchen Ketzern und verjagen

Mügen davon nicht hören sagen.

Das schelten auch nicht lassen kan

Der Pöbel und gemeine mann

Nennet verführer und Phantasten,

Ja treumer und Enthusiasten,

Alle die von der Salbung lehren.

Kindt da muß man sich nicht ankehrn

Der Pöbel nicht recht judicirt

Weil man kein Weißheit bey ihm spürt

Es ist auch Satans ahrt allzeit

Das er das best zum ärgsten deut:

Dann da warheit am grösten ist

Setzt er meist zu mit seiner list

Vnd lest durch Neit von seinen schwätzern

Sie auffs höhst schmehen und verketzern

Das man sie setzen soll in zweiffel

Ein solcher Bößwicht ist der Teuffel

Er bleibt ein Feind der warheit immer

Vnd wird auch mit ihr einig nimmer

Dann Christus und der Belial

Können nicht stehn auff einem stall.

Die Pfaffen machen es allein

Das so sehr lestert die gemein

Weil sie sich nach dem Priester richt

Was der Pfaff für recht helt und spricht

Das muß recht sein wehrs noch so krum

Also urtheilt der Pöbel thum

Sich wie es Christo ist ergangen

Was lohn Er von der Welt empfangen

Vnd wie ihn die Gottlose rott

Hat veracht verlacht und verspott

Die Hohen-Priestr und Schrifftgelerten

Deuten zum ärgsten und verkehrten

Alls was Er lehrt mit wort und that

Klagten ihn an für ihren raht

Vnd habn ihn endtlich lassen tödten;

So ists auch gangen den Propheten

Aposteln und Euangelisten

So gehts noch heut den frommen Christen

Den Außerwehlten und Gerechten

Gottes Botten getrewen knechten

Zu uns gesant im gleichen auch

Diß ist der Welt weiß und gebrauch.

Sie machts nicht anders frommen leuten

Sieh dich nur umb zu diesen zeiten

Keiner kan sich so grob versündign

Als der die Warheit thut verkündign;

All ander werden angenommen

Warheit aber ist nicht willkommen

Die grösten stehn zusammen auf

Wieder sie hindern ihren lauff.

Pilatus und Herodes seind

Ein ander lang gewesen feind;

Sie würden aber Freund gar bald

Da es wieder den Herren galt.

Diß man bey allen Secten findt

Ob sie wol sonst uneinig sind

Vnd gegn einander hefftig rasen

Dennoch aus einem Munde blasen

Wann es der warheit gelten soll.

Ja Brüderlich freundtlich und wol

Halten sie Einigkeit zusammen

In dem sie die warheit verdammen:

Ders mit ihr helt und ihr beyfelt

Ist veracht und ein spott der Welt

Ja ein Fegopffer aller Leut

Darauf jeder mit fingern deut.

Das muß man sich nicht irren lassen

Wann man will gehn die rechte strassen.

Die Welt wirds keinem anders machen

Darumb laß dich nur mit verlachen;

Acht nicht das sie dich schilt und richt

Bleib bey der warheit zweiffel nicht

Was von der Welt verdammet wird

Das wird vom Herren absolvirt;

Wer der Welt freund seyn will merck diß

Der ist Gotts feindt das ist gewiß

Weh euch (Lucæ am sechsten steht)

Wann jedermann wol von euch redt

Niemandt kan dienen recht zwey Herrn

Zugleich Gott und den Teuffel Ehrn:

Den einen wird man liebn allein

Vnd dem andern ungünstig seyn

Spricht der Herr thut hiemit anzeigen

Der sich ihm geben will zu eigen

Muß sich der welt freundschafft entschlagen

Vnd nach derselben nicht mehr fragen.

Wie weinig findt man liebes kindt

Die dazu recht geneiget sind

Wer ist der nicht Welt lieb nachstelt

Vnd viel von ihrer freundschafft helt?

Wer will ihr gern den rücken kehrn

Vnd geben sich gantz Gott dem Herrn?

Wer folget Christo willig nach

Leidet gedültig schimpf und schmach?

Das schlechtste heufflein nur allein

Stelt sich hier zu gantz willig ein:

Dann was unedel wird geacht

Was schwach ist (der Apostel sagt)

Vnd das die Welt für thöricht helt

Hat Gott zu seinem lob bestelt

Dadurch will Er zu schanden machen

Das starck und der Welt witz verlachen.

Diß häufflein helt Gott lieb und werth

Hie ist das Volck das weißheit lehrt

Das Königliche Priesterthum

Das Volck zu Gottes lob und ruhm

Das heilig außerwehlt Geschlecht:

Hie findestu die Gottes knecht

Davon der Prophet Daniel

Hat geweisagt mit worten hell

Im zwölfften da er so andeut:

Viel werden kommn zur letzten zeit

Grossen verstandt und Weißheit finden

Der Schrifft geheimnüß zu entbinden

Die von Gott schon sind aus gesandt

Der blinden Welt noch unbekandt

Stellen sich willig bey uns ein

Ohn eusserlichen pracht und schein.

Ich zweiffel nicht du wirst sie kennen

Man darff dir keinen nahmen nennen

Betracht ihr Lehr sieh an ihr Leben

Vnd liß die Heilig Schrifft darneben

So wirstu es in allem spühren

Wie fein sie damit concordiren:

Darumb halt dich zu diesem hauffen

Da kan man ohn Gelt Weißheit kauffen

Vnd umbsonst haben Milch und Wein

Stell dich nur beyzeit willig ein

Sey gehorsam laß dich gern weisen

Als dann wird dich die weißheit speisen

Sich wie ein Mutter zu dir nahen

Dich als ein junge Braut umbfahen

Vnd dir ein schöne kron auffsetzen

Mit ihrer lieb dich stets ergetzen

Sie wird groß Reichthumb dir zu bringen

Lieb und such sie für allen dingen

Lern der Welt Eitelheit verschmehen

Den schmalen steig zum Himmel gehen

Welt hoheit Ehr und ansehn fliehen

Die Sinne im Gemüth einziehen

So wirstu sie gewiß erlangen

Mit dem Gebet mustu anfangen

Durch bitten suchen und anklopffen

Still seyn und harren auf Gott hoffen

Wird uns die thür zur weißheit offen

Merck diß so hast es recht getroffen

Kan dißmahl dir nicht sagen mehr

Ich mein es gut folg meiner lehr.

Ja Mütter ich danck euch dafür

Den weg habt ihr gezeiget mir

Vnd mich so Mütterlich gelert

Auch schöne Bücher mir verehrt

Drinn ich mich übe früh und spath

Gott gebe mir sein Göttlich gnad

Das alles bleib im hertzen kleben

Vnd viel frucht bring in meinem leben

Es ligt an iemandts wollen nicht

Oder lauffen Sanct Paulus spricht:

Sondern an Gotts barmhertzigkeit

Da ruff und bitt ich umb allzeit

Vnd halt mich an sein Zusag fest

Er will und wird stets thun das best

Weil ich mich nicht auf eigen sterck

Verlaß noch baw auf menschen werck

Wie guth und heilig sie auch sein

Sondern auf seine gnad allein

Darauf wag ichs in Iesu Nahmen

Gott sterck den guten fürsatz Amen.

Amen, mein kindt Gott stercke dich

Das bitt täglich von hertzen ich

Er mach uns beid in dieser zeit

Bereit das wir in Ewigkeit

Hoch preisen mügen seinen Nahmen

Mit allen Außerwehlten Amen.