Geistliche Lehns-Muttung
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Herr der du zählest unsre Tage
Den Tod und Leben Meister heist
Von welchem ich zu Lehen trage
Die edlen Gütter Leib und Geist
Schau dein getreuer Unterthan
Giebt sich in Demutt bey dir an.
Ich war der Lehn verlustig worden
Durch angeerbter Boßheit Schuld
Ich mehrte der Verdammten Orden
Der Tod war meiner Dienste Sold
Mein stoltzes Schloß mein Ritter-Sitz
Der Höllen Schlamm und Schwefel-Pfütz.
Ach Gott wie kräfftig kanst du lieben!
Dein Sohn macht alles vor mich gutt
Es wird in Holtz und Stein geschrieben
Versiegelt durch sein theures Blutt
Daß ich aus Gnaden und umsunst
Soll seyn ein Erbe deiner Gunst.
Ich soll dir Pflicht und Treue schweren
Doch weil mein Alter dieses nicht
Mit eignem Munde kan gewähren
Wird ein Gedenck-Brieff auffgericht.
Der Tauffe Zeugnis machet kund
Den zwischen uns getroffnen Bund.
Ich habe drauff bißher genossen
Die Gaben deiner milden Hand
Die Minder-Jahre sind verflossen:
Ich baue zwar ein fremdes Land
Doch dieses auch mein Gott ist dein
Die Pflicht soll abgeleget seyn:
Nimm an diß Opffer meiner Hände
Daß ich dein unverdienter Knecht
Zu deiner hohen Wohnung sende
Sind die unnützen Dienste schlecht
So weiß ich doch daß deine Gnad
O milder Herr kein Ende hat.
Verzeihe durch dein Blutt verzeihe
Wo ich von Fleisch und Welt verführt
Mißbrauche deiner Lieb und Treue
Verübe was mir nicht gebührt
Und wie nur leider! offt geschicht
Stell in Vergessen meine Pflicht.
Bestärcke gnädig mein Verlangen
Mein schwacher Wille steht dahin
Ein neues Leben anzufangen
Und wenn ich mein selbst eigen bin
Nicht mir nicht schnöder Welt so wohl
Als dir zu dienen wie ich soll.
Laß mich die Wacht der Engel führen
Wohin mich meine Reise trägt
Im Vaterland und hier verspüren
Wie Gottes Hand zu schützen pflegt
Und unser aller Wohlgedeyn
Die Meinigen samt mir erfreun.
Ich rühm und ehre deine Gütte
So lang' ein Athem lebt in mir
Und wenn die Seel aus ihrer Hütte
Nach deinem Willen reist zu dir
So soll mein Mund in Ewigkeit
Dein Lob zu singen seyn bereit.