Geliebte

By Theodor Däubler

Written 1900-01-01 - 1900-01-01

Geliebte, nimm uns hin mit schweren Schwächen!

Ich bin bloß Mensch aus eigner Leidenschaft:

Auf deinen Flechten goldet mir geborgne Kraft,

Als schlürft ich Glut aus hold besonnten Bächen.

Mit freien Augen glückt dir das Versprechen

Zu jüngster Wonne, die zu dir mich rafft;

Durch deine Sachtheit lieb ich mich in Haft

Und mag aus keinen Zartgewinden brechen.

Geliebte, laß mich knien zu deinen Füßen;

Vergrab so warm die Hand im spröden Haar:

Ein Blick empor mag unsern Himmel grüßen!

Wer weiß, ob einst die Seele ruhig war?

Wohl schwand sie sanft aus allzu trauten, süßen

Gefühltheiten in Fremde und Gefahr.