Gelöbniß

By Betty Paoli

Written 1854-01-01 - 1854-01-01

Erinnerung soll ich dir schenken,

Wenn du in weite Ferne fort,

Und mildes Freundesangedenken –

So fleht dein letztes Abschiedswort.

Erinn'rung? Hätte denn das Leben

Noch einen Reiz, noch Werth für mich,

Sollt' das Gedächtniß draus entschweben,

An deine Freundschaft und an dich?

Gewiß! nach manchem langen Jahre,

Von keinem Freudenthau benetzt,

Wird auf der Seele Weihaltare

Dein Bildniß prangen so wie jetzt.

O wer, wer malt die dunkle Wonne,

Die mich durchflammt mit Allgewalt,

Blick ich in deines Auges Sonne,

Draus Kunde aus dem Jenseits strahlt?

Wer nennt mein schmerzlich süßes Lauschen,

Die Seligkeit, die mich durchdringt,

Wenn mild, wie Aeolsharfenrauschen,

An's Ohr mir Deine Stimme klingt?

Und wenn, wie lauer Weste Fächeln,

Wie Sang durch Abendluft getönt,

Dein zaubrisch wunderbares Lächeln,

Die schönen Züge noch verschönt!

Wenn dir einst diese Reize schwinden,

Geraubt vom neidischen Geschick,

Wenn bleich sich deine Locken winden,

Dann blick in meine Brust zurück!

Da lebt dein Bild für Ewigkeiten

In seiner jetz'gen Schönheit fort,

Erreicht nicht von dem Sturm der Zeiten,

Denn mein Empfinden ist sein Hort.

Wenn Wonnen mein Gemüth durchschüttern

Hat dieses Bild sie angefacht;

Wenn Thränen mir im Auge zittern,

So sind sie von dem Bild erwacht!